Dieser Beitrag wird einer der kürzeren Blog-Beiträge. Aus zwei Gründen: 1. an dem Wochenende nach meiner OP ist nicht wirklich viel Erwähnenswertes passiert und 2. bekomme ich es nicht wirklich auf die Kette, wer mich wann in welcher Reihenfolge im Krankenhaus besucht hatte. Das einzige, woran ich mich wirklich erinnern kann ist, dass es zuging wie im Taubenschlag, insbesondere am Sonntag.

Der erste Besucher war Rainer H., mein bester Freund, der mich am Samstag, 06.05.2017 bereits früh morgens besuchte. Kurze Zeit später kam meine Freundin Amata. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube wir saßen dann noch eine Weile gemeinsam beim Frühstück und unterhielten uns. Rainer musste dann irgendwann wieder los, versprach mir aber, am darauffolgenden Tag nochmals vorbei zu schauen. Also gingen meine Freundin und ich wieder zurück auf mein Zimmer.

Zwischenzeitlich hatte eine nette Dame vom Service mein Bett komplett neu gemacht. Also neues Laken, neue Bettwäsche und die Decke richtig schön aufgeschlagen. Ich hatte ohnehin das Glück, dass mein Bett aufgrund meiner Körpergröße um ca. 30 cm verlängert wurde. Dafür wurde der Fußteil auf zwei Führungsschienen ein wenig aus dem Bettrahmen gezogen und die Lücke mit einem Schaumstoff-Block ausgefüllt.

Amata legte sich zu mir in mein Bett. Denn auch sie hatte die Nacht nicht sehr gut geschlafen und hatte dem entsprechend Nachholbedarf. Zwischenzeitlich wurde mein Zimmernachbar wie geplant entlassen. Hierfür kam der diensthabende Stationsarzt zu ihm, gab ihm seine Entlassungspapiere und verabschiedete sich. Der Arzt kam natürlich auch zu mir, bedauerte meine Situation und erklärte mir, was für die kommenden Tage ab Montag geplant sei. Dank seiner Informationen wusste ich genauso viel bzw. wenig wie vorher auch. Mir war klar, dass ab Montag ein Untersuchungs-Marathon starten würde. Dazu später aber mehr.

Die Entlassung meines Nachbarn hatte etwas Positives, als auch etwas Negatives für sich. Zunächst das Positive: Ich war zumindest bis Montag alleine auf meinem Zimmer. Denn am Wochenende würden keine weiteren Patienten aufgenommen. Obwohl das Lukas-Krankenhaus ein Akutkrankenhaus ist, war nicht davon auszugehen, dass außerplanmäßig jemand zu mir aufs Zimmer kommen sollte. Der negative Aspekt war, dass mir in diesem Moment wieder der Grund meines Verbleibs bewusst wurde und ich ab sofort zumindest für die kommenden Jahre ein „Krebs-Patient“ sein werde. Hhmmm, ein „Krebs-Patient“, das hört sich ziemlich scheiße an.

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob Amata zwischendurch nach Hause in unser Haus fuhr oder den ganzen Tag bei mir blieb. Und da nicht wirklich viel passierte, mache ich jetzt einen Zeitsprung auf den frühen Abend. Amata blieb im Krankenhauszimmer und ich ging mal wieder zum Abendbuffet. Also stand ich nun da in diesem Gemeinschaftsraum an der Kühltheke und stellte mir meinen Teller zusammen. Es gab wie immer verschiedene Brotsorten, Butter, verschiedenen Aufschnitt, einen Salat und zu trinken verschiedene Tees bzw. auch O- oder Apfelsaft.

Plötzlich stand Astrid vor mir, eine liebe Kollegin und Freundin von mir. Ich war total baff und musste erstmal das Tablett zur Seite stellen. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Astrid war neben einigen wenigen anderen Kollegen die einzige, die von meiner Diagnose wusste. Und sie machte sich tatsächlich aus Mülheim a.d.R. auf den Weg zu mir ins Krankenhaus. Ich war total gerührt und – ja – ich musste mal wieder heulen. Kurze Zeit später stellte ich ihr meine Freundin Amata vor. So saßen wir dann zu dritt im Aufenthaltsraum im Krankenhaus und sprachen über alles Mögliche. Natürlich auch über die Diagnose. Komischerweise erschienen mir die Gespräche mit anderen zu meiner Krankheit von Mal zu Mal erträglicher. Vielleicht spürte ich, dass ich zunehmend besser damit klar kam, je mehr Menschen davon wussten.

Nach ca. zwei Stunden machte sich Astrid wieder auf den Heimweg und auch Amata fuhr kurze Zeit später nach Hause. Ich schaute noch ein wenig Fernsehen. Ich war ja alleine im Zimmer und konnte mich ungeniert „am Sack kratzen“, ohne dass es jemanden stören würde. Dann irgendwann gegen Mitternacht war der eigentlich sehr schöne Tag auch zu Ende. Der Sonntag begann ähnlich wie der Samstag: sonnig und mit einem frühen Besuch meiner Freundin. Ich frühstückte wie gehabt am Patientenbuffet und danach gingen wir wieder zurück auf mein Zimmer. Erfreulich an diesem Vormittag war, dass mir die Krankenschwester den Drainageschlauch inkl. Sammelbehälter entfernen konnte und ich so wieder komplett frei in meinen Bewegungen war. Dieses Mal war das Ziehen des Schlauches echt unangenehm. Ich spürte richtig, wie der Fremdkörper von außen durch die Naht seitlich am Hals gezogen wurde. Egal, nichts im Vergleich zu dem, was in den kommenden Monaten noch folgen sollte.

Im Laufe des Tages besuchten mich meine beiden besten Freunde Gert und erneut Rainer. Und am späten Nachmittag kam auch einer meiner beiden Chefs Holger ins Krankenhaus. Bedenkt man, dass Holger selber noch an einem Achillessehnenriss laborierte und stark „gehbehindert“ war, freute mich sein Besuch umso mehr. Bevor ich auch ihm Hintergründe und Details meiner Diagnose erläutern konnte, nahm er mich zur Seite nahm mich in den Arm und sagte mir, dass ich mir um meinen Job keine Gedanken machen müsse. Mercuri – mein Arbeitgeber – sei wie eine Familie und alle Kollegen inkl. Geschäftsführung würden mich durch die schwere Zeit bringen. Ich solle erstmal wieder richtig gesund werden und danach erst wieder an Arbeit denken. Wie sehr mich Mercuri in den kommenden Monaten unterstützen würde, darauf gehe ich ebenfalls später ein.

Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand erahnen, welche Therapieform für mich in Frage kommen würde und welche Langzeitfolgen damit verbunden sein würden. Ich versuchte entspannt, die nächsten Tage auf mich zukommen zu lassen. Und ich wusste ja, dass mit dem nächsten Tag, dem Beginn der nächsten Arbeitswoche, auch die Untersuchungen beginnen würden.

Als ich abends alleine in meinem Bett darüber nachdachte, wurde ich mit einem Mal ziemlich nervös.

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