Vom Lukaskrankenhaus hatte ich vorher nie etwas gehört. Warum auch? Wenn man nicht ins Krankenhaus muss, egal ob als Patient oder Besucher, beschäftigt man sich nicht damit. Meine HNO-Ärztin Frau Dr. R hatte mir diese Klinik, insbesondere die dortige HNO-Abteilung empfohlen. Nicht nur aufgrund des hervorragenden Rufes, es ist auch noch ziemlich nahe an meinem Wohnort gelegen. Eigentlich ist es kein Krankenhaus, sondern eher eine „Kleinstadt“ (siehe Plan). Hier befinden sich neben der HNO-Klinik, weitere Spezialabteilungen wie Chirurgie, Urologie, Geriatrie, Kardiologie, Strahlentherapie/Radiologie, ein Tumorzentrum sowie eine pathologische Abteilung. Diese miteinander verknüpften Bereiche werden im weiteren Verlauf noch eine bedeutende Rolle spielen.

Aufgrund der hohen Termindichte, bekam ich „erst“ gegen Ende März einen Termin zur Sprechstunde bei Herrn Prof. Dr. N., Chefarzt der HNO-Klinik. Ich war natürlich ein bisschen verwöhnt durch die kurzen Wartezeiten und die direkten Weiterleitungen zwischen den Ärzten. Andererseits war mir auch bewusst, dass ich nicht mal ebenso bei einer solchen Koryphäe wie Prof. N. anklopfen könne nach dem Motto: „Hallo hier bin ich, wann wird operiert?“.

Vor meinem Termin schaute ich mir die Internetseite des Klinikums und auch der HNO-Abteilung an. Puuh, der Doc schien in der Tat ein renommierter Experte auf seinem Gebiet zu sein. Allein die Anzahl seiner Publikationen in Fachmagazinen und Büchern entspricht vom Umfang in etwa dem Lügenregister des amtierenden US-Präsidenten. Diesen Mann sollte ich nun kennen lernen und ihm meine Gesundheit und meine Zyste anvertrauen. Das Gebäude der HNO Abteilung war nicht schwer zu finden. Der Pförtner half mir mit dem Hinweis, einfach den Neubau über das Außengelände zu nehmen. Auf dem Plan als nördlicher Anbau am Haupthaus zu erkennen. Aber eigentlich auch egal.

Und da saß ich nun bei Arzt Nr. Fünf. Professor N. war genauso, wie ich ihn erwartet und aufgrund des Imagevideos eingeschätzt hatte. Nüchtern, sachlich, humorlos, geradlinig und vor allen Dingen hochgradig kompetent. Er schaute sich ebenfalls die CD-Rom an, die ich vom MRT mitgenommen hatte. Auch er stutzte kurz, als er den Schatten auf der Zyste sah, gab aber Entwarnung, dass es sich vermutlich um eine Verkapselung handeln würde. Die Blutwerte der ersten Blutabnahme zeigte ich Prof. N. nicht mehr, da ich ja bereits zwei Expertenmeinungen dazu eingeholt hatte. Allerdings wollte ich es jetzt genau wissen und frug ihn, ob er etwas von einem Rekonvaleszenz-Spray zur Verkleinerung der geschwollenen Lymphknoten wisse. Zumindest er als absoluter Voll-Profi sollte so etwas doch kennen. Er tat es aber nicht. Seine nüchterne Antwort war: „Trinken Sie drei Liter Wasser am Tag, das hilft mehr und ist billiger.“

Prof. N. riet mir aufgrund der Größe zu einer Entfernung der Zyste. In manchen Fällen ist die Zyste so klein, dass man sie medikamentös wegbekommt. Meine war zu groß. Ein alternatives, aber nicht ausgereiftes Verfahren ohne operativen Eingriff sei eine Punktion. Also von außen mit einer feinen Nadel ca. die Hälfte der Zysten-Flüssigkeit herausziehen. Und dann eine Lösung hineinspritzen, die die Zyste von innen schrumpfen lässt. Nachteil: das Gewebe lässt sich nicht entnehmen und untersuchen und die Zyste kann sich wieder füllen. Blieb also nur die OP. Aber das wusste ich ja bereits. Und nachdem ich Prof. N. kennen gelernt hatte, hatte ich vollstes Vertrauen in seine Kompetenz und sein professionelles Team.

Prof. N. erklärte mir – immer noch in seiner sachlichen, nüchternen Art – wie der Eingriff vorgenommen würde. Auf der linken Halsseite unterhalb des Ohres wird unter Vollnarkose ein Schnitt gesetzt, der zunächst ca. 3 bis 4 cm lang ist. Um an die Zyste zu gelangen, müssen dort verlaufende Nervenbahnen zur Seite gedrückt werden. Es sei durchaus üblich, dass kurz nach der OP die Nerven ein wenig „beleidigt“ seien und zunächst ein Taubheitsgefühl eintreten könne. Aber das würde relativ schnell nachlassen. Je nach Größe der Zyste, könne der Schnitt auch 5 bis 6 cm lang werden, da es das Ziel sei, sie an einem Stück durch die Öffnung zu herauszuholen ohne dass sie platzt. Einziger Wehrmutstropfen: eine Narbe. Aber das nahm ich in Kauf.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

Und am Ende war es doch zu sehen. Ein kleines Schmunzeln auf dem Gesicht von Prof. Dr. N., nachdem ich ihn gefragt hatte, wer mich operiert. Seine Antwort: „Ich!“ Im weiteren Verlauf meines Aufenthalts im Krankhaus sollte ich alle Ärzte kennen lernen.

Hier könnt Ihr Euch ein eigenes Bild der Klinik, der Abteilung und des Ärzteteams machen.

Die Operation wurde für den 04. Mai vereinbart. Ein Donnerstag. Zwei, maximal drei Tage stationärer Aufenthalt und dann wieder nach Hause. So war es geplant. Aber dann kam alles anders.

 

 

 

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