Der Dienstag, der 09. Mai 2017 sollte so etwas wie der Tag der Wahrheit werden. An diesem Tag sollte ich drei Ergebnisse aus diversen Untersuchungen zurückbekommen, die man nach der zweiten Operation vorgenommen hatte, um eine Streuung der Metastasen durch das Lymphsystem auszuschließen. Der Ultraschall vom Vortag war ja bereits erfreulich und ohne Befund.

Da es sich um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom handelte, also um einen oberflächlichen Krebs, war davon auszugehen, dass er sich noch nicht weiter im Körper ausgebreitet hatte. Gleichzeitig sprach Prof. N. allerdings auch von einem CUP-Syndrom. CUP steht hier für Cancer with Undefined Primary. Diese Diagnose ist für einen Arzt bzw. für Onkologen suboptimal, denn jeder Arzt/Onkologe will natürlich wissen, wo eine Krankheit oder hier der Krebs seine Ursache und Ursprungsort hat. Das war leider nicht nachzuweisen, so dass man mich zunächst auf Links drehte.

Alle drei Ergebnisse bekam ich bei der Morgen-Visite von Prof. N.:

  • Röntgen Thorax: negativ, also kein Befund
  • Lungen CT:  negativ, also kein Befund
  • Gewebeprobe der zweiten OP: negativ, also kein Befund.

Drei mal kein Befund war für mich an diesem Vormittag wie ein Sechser im Lotto + Zusatzzahl. Der Professor schien ebenfalls sichtlich erleichtert. Im weiteren Verlauf des Gesprächs erläuterte er mir, wie es nun weitergehen würde. Er sagte, dass jeder Krebsbefund aus akuten Untersuchungen, egal aus welcher Fachabteilung, in der so genannten „Tumor-Konferenz“ diskutiert werden. Und das immer Mittwochs. In meinem Fall also am darauffolgenden Tag. Ich finde den Begriff „Konferenz“ in Verbindung mit Krebs ziemlich makaber. Konferenz kenne ich nur im wirtschaftlichen oder politischen Kontext (z.B. Telefonkonzerenz, etc.). Die Definition bei Wikipedia beschreibt eine Konferenz aber u.a. als eine Besprechung unter Wissenschaftlern.


Quelle: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz)


Ziel der Konferenz sei es, den weiteren Therapieverlauf zu bestimmen. Es gibt wohl sowas wie eine internationale Übersicht über Therapieformen bzw. empfohlene Maßnahmen, je nachdem wie groß das befallene, entnommene Gewebe ist, wo das befallene Gewebe entnommen wurde, ob man es überhaupt entfernen konnte und welche Nebenwirkungen die Therapie haben wird. Zur Tumor-Konferenz kommen dann bspw. die am Therapieverlauf beteiligten Ärzte aus den Bereichen Onkologie, Innere Medizin, Strahlentherapie und in meinem Fall Prof. N. aus der HNO-Abteilung. Er erklärte mir, dass das befallene Gewebe im Durchmesser eine Größe von 3,2 cm hatte. Laut dieser internationalen Tabelle seien das 2 mm zuviel, um ohne weitere Therapie weiter zu machen. Aber eben das wollte er mit den anderen Experten diskutieren.

Bei 3,2 cm – bzw. 2 mm zu viel – fiel mir wieder diese unfähige Alternativ-Medizinerin Frau C. aus Meerbusch ein, die meinen dicken Lymphknoten für Pfeiffersches Drüsenfieber hielt und ich so einige, wahrscheinlich wichtige Wochen verstreichen ließ, um mich von einem richtigen (Fach-)Arzt richtig untersuchen zu lassen. Wäre das Karzinom ggf. ein paar Wochen vorher kleiner gewesen? Ich überlegte mir kurz, die Dame zu verklagen, verzichtete aber auf noch mehr Stress.

In meinem Falle gab es vier Optionen, wie ein Therapieverlauf aussehen konnte:

  1. Keine weiteren Maßnahmen (natürlich mit dem Risiko, dass möglicherweise nicht alles aus dem Körper raus ist)
  2. Strahlentherapie ohne parallele Chemotherapie
  3. Chemotherapie ohne parallele Strahlentherapie (eher unüblich bei meinem Befund)
  4. Strahlen- plus Chemotherapie – im Fachjargon Radiochemo genannt – über einen Zeitraum von 6 Wochen

Mental richtete ich mich auf Option 4 ein, hoffte aber natürlich, dass mir die Prozedur erspart bleiben würde oder ich zumindest auf die Chemo verzichten könnte.

Als Prof. N. mein Zimmer wieder verließ, schrieb ich allen sofort, dass die weiteren Untersuchungsergebnisse erfreulich waren. Und wieder prasselten innerhalb weniger Minuten von allen Seiten die „Glückwünsche“ auf mich ein. Der restliche Tag verlief wie die anderen auch.

Naja, nicht ganz!!!

 

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