Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

Schlechtes Karma kommt immer zurück

Dienstag, 06.06.2017: die letzen zwei Wochen vor Beginn der Radio-Chemo-Therapie hatten begonnen. Für den heutigen Tag war eine Nachbesprechung mit dem Leiter des Tumorzentrums auf Grundlage der Voruntersuchungen angesetzt. An diese Sitzung kann ich mich am heutigen Tage nicht mehr wirklich erinnern. Dafür haben vorher und in der Zwischenzeit zu viele weitere Termine mit Ärzten, Pflegern und Mitarbeitern verschiedenster Abteilungen stattgefunden.

Die Voruntersuchungen müssen aber wohl ohne nennenswerte, besorgniserregende Ergebnisse durchlaufen worden sein. Sonst hätte ich mich daran erinnert. Am folgenden Tag Mittwoch, den 07.06.2017 sollte gemeinsam mit Frau Dr. H. von der Strahlenabteilung eine weitere Vorbesprechung und Aufklärung zur Strahlentherapie stattfinden. Wir gingen gemeinsam den Therapieplan durch und sie erläuterte mir sehr detailliert, wie sich die Therapie, beginnend am 19.06.2017, aufbauen würde. Frau Dr. H. erklärte mir, dass die Strahlentherapie sorgfältig geplant und vorbereitet werden müsse, um diese so effizient, aber auch so schonend wie möglich für meinen Körper durchzuführen.

Der Tumor soll mit möglichst hohen Dosen bestrahlt werden, das gesunde Gewebe soll jedoch nur geringen Dosen belastet werden. Im Vorfeld der Strahlentherapie muss der zu bestrahlende Körperabschnitt mit einer Computertomografie (CT) aufgenommen werden. Mit dieser Methode wird die Röntgendichte des Körpers individuell gemessen. Gleichzeitig wird ein Koordinatensystem auf dem Körper aufgezeichnet, an dem später die Bestrahlungsgeräte ausgerichtet werden können. Die Markierung des Koordinatensystems erfolgt durch Laserstrahlen, die fest in jedem Bestrahlungsraum installiert sind und die den „Nullpunkt des Koordinatensystems darstellen. In besonderen Fällen kann die Computertomografie-Planung durch ein MRT ergänzt werden, um die Tumorgrenzen besser darzustellen. Die Bilder werden in einen Bestrahlungsplanungscomputer eingelesen, sodass sich das zu bestrahlende Körperareal millimetergenau festlegen lässt.

Anschließend wird ein dreidimensionales Bild erstellt und die jeweils günstigste Anordnung der Bestrahlungsfelder ermittelt. Mithilfe der computerunterstützten Bestrahlungsplanung lässt sich im Voraus berechnen, welche Strahlendosis in welche Region des Körpers eingestrahlt wird.

Der Zeitplan einer Strahlentherapie variiert von Tumor zu Tumor und Patient zu Patient. Möglich sind Bestrahlungen einmal täglich, an fünf Tagen hintereinander gefolgt von zwei Tagen Pause, aber auch mehrere Bestrahlungssitzungen an einem Tag (hyperfraktioniert) oder nur ein- bis dreimalige Bestrahlungen wöchentlich (hypofraktioniert). In jedem Fall wird der genaue Zeitplan vor Beginn der Therapie vom Strahlentherapeuten festgelegt und mit dem Patienten besprochen. In meinem Fall hat man sich – in Kombination mit der Chemotherapie – für eine sechswöchige Dauer entschieden. Die einzelnen Bestrahlungen sollten jeweils von Montags bis Freitags stattfinden. Die Gesamtdosis der Bestrahlung (hier: 50 Gy) wurde demnach auf 30 Einzelsitzungen heruntergebrochen.

Da bei mir der Kopf-Hals-Bereich bestrahlt werden würde, sollte die Bestrahlung von außen durch die Haut mit Hilfe des so genannten Linearbeschleunigers durchgeführt werden. Mir wurde erklärt, dass ich während der Sitzungen auf einer Liege liegen würde und mich nicht bewegen dürfe. Um meinen Kopf absolut ruhig zu halten, während die Strahlen auf den Körper treffen, müsse ich mit meinem Kopf an die Liege fixiert werden. Also nicht ich würde mich bewegen, sondern die Bestrahlungseinheit würde sich um mich drehen und über den richtigen Winkel das zu behandelnde Gewebe bzw. Körperstelle treffen.

Noch am gleichen Tag sollte nun auf Grundlage eines aktuellen CTs eine Gesichtsmaske erstellt werden. Die Maske besteht im Rohzustand aus einer speziellen, netzartigen Plastikfolie, die wenige Millimeter dünn ist. Die Folie wird in einem Wasserbad erwärmt und für die Modellierung am Kopf weich gemacht. Bei der Anpassung an Kopf und Hals werden Öffnungen für Nase und Mund frei gelassen, so dass das Gefühl der Platzangst minimiert wird.

Bestrahlungsmaske (Quelle: Wikipedia)

Wenn die Maske gut sitzt, lässt man das Material innerhalb weniger Minuten erkalten und beginnt mit der Simulation zur Vorbereitung der Bestrahlung. Dabei werden notwendige Markierungen auf der Maske vorgenommen. Die Maske wird dann bis zur ersten Bestrahlung sicher aufbewahrt.

Bei dieser ersten „Trockenübung“ schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Würde ich im Laufe der einzelnen Sitzungen möglicherweise Panik bekommen? Würde mich die Maske mich tatsächlich unbeweglich machen? Was, wenn ich mich während einer Bestrahlung minimal bewegen würde und die Strahlen gesundes Gewebe treffen würden? Sähe ich nun aus wie Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“?

Für die kommenden Tage bis zum Freitag, den 16.06.2017 sollte ich nun ein wenig Ruhe haben und mich mental auf die sechs Wochen vorbereiten. Ich ging wie gewohnt arbeiten und hatte sogar noch diverse Geschäftstermine in Deutschland verteilt, die ich wie gewohnt wahrnahm.

Der Freitag am 16.06.2017 begann mit der gewohnten Blutabnahme durch die onkologische Abteilung. Ich nehme an, man wollte nur sichergehen, dass u.a. auch die Blutwerte einem Start der Radio-Chemo-Therapie nicht im Wege stehen würden. Die Werte waren ok. Nachmittags musste ich nun erneut zum Zahnarzt, um mir dort für die Strahlensitzungen eine Strahlenschutzschiene für Unter- und Oberkiefer anfertigen zu lassen. Die Schiene war aus dünnem Kunststoff und sollte lediglich vermeiden, dass sich für den Zeitraum der Betrahlung chemische Reaktionen durch bspw. Kronen und/oder Füllungen in den Zähnen mit dem umliegenden Zahnfleich-Gewebe ergeben. Denn leider würde auch mein Mundraum und Rachen unter der Bestrahlung „leiden“.

Gesagt, getan. Die Schiene konnte ich noch am gleichen Abend abholen.

Was nun an diesem Wochenende des 17./18. Juni 2017 passierte, gehört eigentlich in einen separaten Blog mit dem Namen „Herzlos und Asozial“ und hat mit meiner Krebserkrankung nicht wirklich direkt etwas zu tun, muss aber an dieser Stelle und auch in den nächsten Beiträgen erwähnt werden, da die folgenden Beschreibungen meinen Genesungsprozess und Therapieverlauf massiv beeinflusst haben. Liebend gerne hätte ich diese Passagen und meine Kinder in diesem Kontext außen vor gelassen, aber sie gehören leider ein Stück weit zur Krankengeschichte dazu.

Zu diesem Zeitpunkt im Juni 2017 lebte ich bereits seit einigen Monaten getrennt von meiner Exfrau. Das Verhältnis zu ihr würde ich als suboptimal beschreiben. Für den Sommer 2017 hatten wir uns zu Beginn des Jahres bereits darauf verständigt, dass ich meine beiden Kinder, die im Haushalt meiner Exfrau leben, am Samstag (17.06.) für eine Woche zu mir hole, um gemeinsam ein paar Tage zu verbringen. Rein medizinisch oder körperlich sprach überhaupt nichts dagegen, da die Therapie noch gar nicht begonnen hatte und erste Nebenwirkungen erst zwei, drei Wochen später auftauchen würden. Auch für die kurzen Abwesenheitszeiten während der Bestrahlung war für die Betreuung der Kinder durch meine liebevollen Eltern und meine wunderbare Partnerin gesorgt.

Einen Abend vor der geplanten Übergabe der Kinder erreichte mich die Email meiner Exfrau, dass ich die Kinder nicht abholen könne, da ich nach Ansicht meiner Exfrau nicht in der Lage sei, mich um die Beiden zu kümmern. Weiter schrieb sie unwahrheitsgemäß, dass meine Eltern die Information verbreiten würden, dass ich unheilbar krank sei und sie – also meine Exfrau – der Grund für die Erkrankung sei. Schlussendlich teilte sie mir in ihrer Email mit, dass ich die Kinder bis auf Weiteres nicht zu sehen bekäme. Ich war geschockt. Geschockt von dieser schlimmen Nachricht. Geschockt von dieser unmenschlichen und rücksichtslosen Denkweise.

Für mich stellte sich zunächst die Frage, wer sich (hier: Exfrau, Rechtsbeistand Exfrau, Eltern Exfrau, etc.) das Recht herausnehmen dürfe, zu urteilen, ob ich körperlich in der Lage bin, mich um meine Kinder zu kümmern. Bestimmt nicht die in der Klammer genannten Personen. Denn sie sind alle medizinische Laien.

Mir wurde sehr schnell klar, dass die Email nicht von meiner Exfrau, sondern von einem ihrer Elternteile formuliert sein musste. Der Text entsprach in keinster Weise dem Schreibstil meiner Exfrau. Ohnehin wurde bzw. wird meine Exfrau meiner Ansicht nach durch ihre Eltern fremdgesteuert. Was also sollte diese mit diversen Unwahrheiten durchtränkte Email und das rücksichtslose Verhalten meiner Exfrau zum Zeitpunkt meiner Genesung bezwecken? Mich noch weiter schwächen? Ihre vermeintlich Machtposition in Bezug auf die Kinder demonstrieren und Druck ausüben?

Natürlich bekam ich Panik, meine Kinder nicht sehen zu können. In einer Phase der Erkrankung, in der sie mir so viel Kraft und Zuversicht hätten geben können, die Therapie gut durchzustehen. Gleichzeitig fasste ich aber Dank meiner Partnerin den Mut, dass sich alles zum Guten wenden würde. Ich kündigte mich bei meiner Exfrau dennoch für den kommenden Tag zur Abholung der Kinder an – so wie es geplant war.

Mir war klar, dass ich die Kinder nicht mitnehmen dürfte. Das machte es mir einfacher, mich mental auf die entscheidende Situation vorzubereiten und ggf. damit umzugehen. Als ich am Samstag, den 17.06.2017 am Wohnhaus meiner Kinder klingelte, öffnete der Vater meiner Exfrau die Türe und erklärte mir mit seiner selbstherrlichen und selbstgerechten Art, dass die Kinder nicht da seien und warum ich die Kinder nicht abholen könne. Ich wisse ja schließlich, warum. Ich wies ihn darauf hin, dass das Jugendamt nicht wirklich erfreut sei über die eigenmächtige Vorenthaltung der Kinder mir gegenüber in Bezug auf meine gesundheitliche Situation. Es interessierte ihn nicht. Und das, obwohl er selber viele Jahre in einer sozialen Einrichtung gearbeitet hatte. Aber die Eltern meiner Exfrau sollten noch eine weitere, entscheidende Rolle im Laufe der kommenden Wochen spielen. So viel kann ich jetzt schon sagen: die Eltern meiner Exfrau haben aufgrund ihrer rechtswidrigen und erbärmlichen Verhaltensweisen in jeder Hinsicht verloren – menschlich, moralisch, juristisch. Schlechtes Karma kommt eben immer wieder zu einem zurück. Und ich bin gestärkt und gesundet aus der schwersten Phase meines Lebens wieder auferstanden.

Was meine Exfrau betrifft, so hat sie sich rein rechtlich gesehen auf sehr dünnes Eis begeben. Und das Eis wurde im Laufe der kommenden Monate nicht dicker.

Meine Kinder habe ich an diesem Wochenende leider nicht mitnehmen dürfen. Umso mehr musste ich mich nun auf einen erfolgreichen Therapiestart konzentrieren und ab dem 19.06.2017 die sechs anstehenden Wochen in Tagen rückwärts zählen.

Mögen die „Spiele“ beginnen.

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6 Kommentare

  1. Lieber Krebsbesieger,
    vielen Dank für die genaue Beschreibung Deiner Genesungsgeschichte. Ich verfolge Deinen Blog schon des längerem und gehe mal davon aus, dass Du wieder völlig hergestellt bist. Das macht mir und meinem Mann sehr viel Mut. Wir haben in meiner Familie ein ähnliches Schicksal und freuen uns deshalb, wenn der Krebs letztendlich besiegt ist.
    Was mir allerdings Schmerzen bereitet, ist das Thema Exfrau, dass Du hier erwähnst. Auch da weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Kinder oft als Druckmittel missbraucht werden um den Ex abzustrafen.
    Einige Mütter oder Väter sind so wütend über den Expartner, dass sie vergessen, dass ihre Kinder beide Elternteile lieben. Wenn Eltern also ihren eigenen Frust bei ihren Kindern ablassen, ärgern sie nicht den Ex, sondern schädigen die Kinder.
    Aus Langzeitstudien geht hervor, dass Kinder langfristig psychische Störungen entwickeln, wenn sie instrumentalisiert und von einem Elternteil gegen den Ex-Partner als Waffe eingesetzt werden.
    Sie zeigen, dass Kinder, die in einer solchen Atmosphäre aufwachsen, öfter soziale Phobien oder Suchtverhalten entwickeln und stärker suizidgefährdet sind.
    Das sollte Deine Ex aber unbedingt vermeiden. Streit um den Aufenthalt ist erbärmlich und unterste geistige Schublade, denn gerade Kinder brauchen Stabilität und müssen sich auf Absprachen verlassen können.
    Für Kinder zerbricht nach einer Trennung oft eine heile Welt. Dann ist es Aufgabe von Vater und Mutter, sie nicht in ein Trauma hineinlaufen zu lassen.
    Beide Elternteile haben es in der Hand, die Lebensumstände ihrer Kinder so zu gestalten, dass diese für sich eine Perspektive sehen.
    Derjenige, der die Familie spaltet und eigene Konflikte auslebt, wird dann zunehmend abgelehnt.
    Das kann doch nicht im Sinne Deiner Ex sein, oder?
    Deine Krankheit als Ausgangspunkt für den Kindesentzug (denn das ist es ja, das kann man auch nicht schön reden) zu nutzen um sich an Dir als Ex abzuarbeiten, halte ich für menschlich sehr verwerflich. Für Dich und Deine Kinder tut es mir unendlich leid, dass Ihr solch einem Unrecht überhaupt ausgesetzt wurdet. Aber wie ich lesen kann, hast Du im Jugendamt eine gute Instanz, die dem Gebaren Deiner Ex und ihren Eltern entgegenwirkt.

  2. Hallo Krebs-Besieger!
    Das Leben ist wie ein Spiegel.
    Wenn Du mit einem freundlichen Gesicht hinein schaust, wirst Du verständlicher Weise mit einem netten Lächeln belohnt.
    Wie es sich umgekehrt verhält, brauche ich ja hier nicht erwähnen.
    Ich habe Deinem Blog entnommen, dass es Dir gut geht.
    Das macht Mut.
    Als Christ hoffe ich ausschließlich auf gutes Karma für alle, denn die Aussicht in einem späteren Leben als Wurm sein Dasein fristen zu müssen oder aber nach seinem Ableben in der Hölle zu schmoren, scheint mir für niemanden erstrebenswert.
    Halt die Ohren weiterhin steif und ärgere Dich nicht über schlechte Erfahrungen, auch sie lassen Dich reifen. Nutze Dein gutes Karma dafür gesund und glücklich zu bleiben.

  3. Hallo Gernot,
    dass mit dem Wurm finde ich cool, -sind doch manche in ihrem jetzigen Leben schon einer

  4. @Gabriele
    Da hast Du ja viele Gedanken bezüglich der Familie des Krebsbesiegers geäußert, aber es ist ja auch festzustellen, dass es trotz der häufig in diesem Blog erwähnten Widrigkeiten mit seiner Genesung keine Probleme gibt. Das freut mich sehr. An dieser Stelle möchte ich mal ein ganz lautes „weiter so“ an den Krebsbesieger loswerden.

  5. Netzpirat

    28. August 2018 at 8:43 pm

    Lieber Blogger,
    ich weiß, das ist ein Blog über Deine Krebs-Story. Aber mich würde schon interessieren, wie das Jugendamt auf diese Aktion des Vaters Deiner Ex reagiert hat. Ich weiß aus einer ähnlichen Situation im Freundeskreis, dass den Großeltern nach solchen Aktionen das Umgangsrecht entzogen wurde. Ich bin gespannt, was da noch kommt. Vor allen Dingen, wie Du das im Zuge Deiner Therapie weggesteckt hast.

    Alles Gute für Dich und mach weiter so! Scheinst ein starker Typ mit einem grandiosen Charakter und Kämpferherz zu sein.

    Gruß, der Netzpirat

    • CP

      29. August 2018 at 4:10 pm

      Danke Netzpirat, für Deinen Beitrag und Deine Wünsche. Der Vorfall ist aktenkundig sowohl beim Jugendamt als auch bei der Caritas. Jede weitere Aktion wird mit Argus-Augen beobachtet.

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