Bevor ich mit meinem Blog weitermache und die Zeit zwischen Operationen und Radio-Chemotherapie beschreibe, möchte ich Euch kurz mitteilen, dass es mir gut geht. Ich werde hin und wieder gefragt, ob bei mir alles in Ordnung ist, weil ich länger nichts an meinem Blog gemacht habe. Längere Schreibpausen haben aber nichts mit meinem Gesundheits- oder Gemütszustand zutun, sondern einfach damit, dass ich vielen anderen Aktivitäten den Vorzug gebe. Also an alle da draußen: mir geht es richtig gut und die letzte Nachsorge Ende Juni 2018 war ohne Befund. Das Leben ist toll! Aber nun weiter im Text:

Nach dem 70. Geburtstag meiner Mutter am 28.05.2017 stand mir eine ereignisreiche Woche bevor. Von Dienstag bis einschließlich Freitag hatte ich fünf Termine bei unterschiedlichen Ärzten. Alles Termine zur Vorbereitung auf meine Strahlen- und Chemotherapie, die im Juni 2017 starten sollte.  Am Dienstag, den 30.05. startete das Programm mit einem Aufklärungsgespräch mit dem Chefarzt der Zentralambulanz des Neusser Krankenhauses hinsichtlich der Port-Anlage für die Chemotherapie.

Ein Portkatheter ist ein dauerhafter Zugang zum Blutkreislauf. Er besteht aus einer Kammer mit einer dicken Silikonmembran sowie einem angeschlossenen Schlauch, dessen Ende kurz vor dem rechten Vorhof des Herzens platziert wird. Der Port wird im Rahmen eines operativen Eingriffs implantiert. In meinem Fall war das unmittelbar unterhalb des rechten Schlüsselbeins.

Durch Einstechen von außen mit einer Kanüle durch die Haut und durch die Silikonmembran wird bei der Hauptanwendung der Zugang zum Blutkreislauf hergestellt. Über die in der Portkammer liegende Kanülenöffnung kann nun ein Medikament oder eine Zubereitung per Infusion dem Blutstrom zugemischt werden oder unter Beachtung der besonderen Gegebenheiten eines Port-Katheters auch Blut entnommen werden.

Meistens kommt der Port bei der Behandlung onkologischer Erkrankungen im Rahmen einer Chemotherapie zum Einsatz. Der unter die Haut implantierte Port ist vor äußeren Einflüssen geschützt und ermöglicht die gewohnte Bewegungsfreiheit beizubehalten. Der Vorteil der Portnutzung ist, dass keine Vene als Zugang zum Blutkreislauf „missbraucht“ werden muss.

Der Chefarzt erklärte mir sehr anschaulich, wie die OP vonstatten gehen würde und welche Vorbereitungen ich dafür treffen sollte. Eigentlich nicht viel. Pünktlich sein und nüchtern bleiben. Alles anderes würde das Ärzte- und Pflegerteam für mich tun. Der gesamte Eingriff sollte nur ca. 45 Minuten andauern und nach wenigen Stunden würde ich wieder zu Hause sein.

So in etwa sah auch mein Port aus (Quelle: BBraun)

Da der Eingriff ebenfalls unter Narkose stattfinden sollte, musste ich erneut in die Anästhesie-Abteilung, um mein Einverständnis zu geben. Das hieß, wieder seitenweise Aufklärungsbögen lesen und gefühlte 10 Unterschriften geben. Entgegen aller Befürchtungen war ich nach 15 Minuten wieder raus. Den Rest des Tages fuhr ich ins Büro, um zu arbeiten. Für den kommenden Tag hatte ich mich komplett freistellen lassen. Und so fuhr meine Freundin mich früh morgens ins Lukaskrankenhaus. Ich war bei weitem nicht der Einzige, der an diesem Morgen einen Port bekommen sollte. Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass ich Teil einer Akkordarbeit war. Andererseits beruhigte mich die Tatsache, da es sich um einen Routineeingriff handeln sollte.

Planmäßig wurde ich in den OP geschoben und in eine Art Dämmerschlaf versetzt. Also keine Vollnarkose sondern eine Analgosedierung, bei der das zentrale Nervensystem beruhigt und gleichzeitig ein Schmerzmittel verabreicht wird. Nach 60 Minuten wurde ich so langsam wieder wach. Naja, was man als „wach“ bezeichnen kann. Laut Beobachtung und Aussage meiner Freundin muss ich den ganzen Tag ziemlich „matschig“ gewesen sein und zwischendurch Blödsinn von mir gegeben haben. Gegen Mittag durfte ich das Krankenhaus wieder verlassen. Wir fuhren auf direktem Wege nach Hause. Im Auto trank ich erstmal eine Flasche Wasser und aß ein Brötchen. Ich hatte ja den ganzen Vormittag nichts essen dürfen.

Zu Hause tastete ich vorsichtig den Bereich rund um das rechte Schlüsselbein ab. Die operierte Stelle war mit einem dicken Pflaster abgeklebt und die Haut noch taub. Im Laufe des Nachmittags kam das Gefühl so langsam zurück und ich spürte eine leichte Wölbung. Da also lag nun der Port drunter. Der erste Gedanke an einen Fremdkörper im eigenen Körper war zunächst komisch. Dann aber sagte ich mir: „das ist jetzt eben so.“ Andere Menschen haben ne künstliche Hüfte im Becken, Stahlschrauben im Arm, einen Herzschrittmacher oder einen Pfeil im Kopf. Was also sollte ich mich über diesen kleinen Port beschweren? Vom Ärzteteam bekam ich noch einen auf mich ausgestellten Port-Pass, mit dem ich mich bspw. in Sicherheitsschleusen am Flughafen hätte ausweisen können.

Mein Port unter der Haut

Denn: die Unterseite des Ports besteht aus einer Titanplatte, damit mit der Portnadel nicht durch den Port in das darunter liegende Gewebe gestochen werden kann. Das wäre fatal. Mit dem Metall in der Schulter hätte ich demnach ohne Nachweis für Irritationen in der Kontrolle gesorgt.

Am nächsten Tag ging es dann mit einem Abdomen-CT weiter. Regelmäßige CTs, MRTs, Röntgenuntersuchungen und Blutabnahmen sollten mich ab sofort begleiten, um tagesaktuelle Werte sowohl für die Chemotherapie als auch für die Bestrahlungseinheiten zu haben. Am Abend des Folgetages sollte dann auch noch eine umfangreiche Zahnreinigung stattfinden. Auch die war notwendig, um den Mundraum und die Zahnzwischenräume für die anstehende Bestrahlung sauber zu haben. Auf den letzten „Programmpunkt“ dieser Woche, die Magenspiegelung, gehe ich im nächsten Beitrag ein.

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