Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

Krebs eine Volkskrankheit?

Am Montag, den 15.05.2017 wurden bereits die Fäden gezogen. Das klappte hervorragend. Nicht nur weil die Narbe sehr gut verheilt war und die Fäden leicht zu entfernen waren. Sondern auch, weil ich eh nichts spürte. Die gesamte linke Halsseite war nach wie vor taub. Ich rechnete frühestens im Herbst 2017 damit, dass das Gefühl so langsam wieder zurückkommen würde. Vielleicht würde es sogar noch länger dauern.

Danach fuhr ich ins Büro. Mein Akku war aufgeladen und ich freute mich auf die Arbeit. Ich war auch relativ schnell wieder drin im Trott und kümmerte mich um meine Kunden und Projekte. In der Folgewoche setzten dann so langsam die ersten Termine als Vorbereitung auf die Radio-Chemotherapie ein. So lernte ich Dr. R. aus dem Tumorzentrum kennen. Ein junger, sehr kompetenter, geradliniger aber dennoch einfühlsamer Onkologe. Er sollte von nun an mein erster Ansprechpartner in allen medizinischen Angelegenheiten sein.

Dr. R. ging mit mir im Detail die weiteren Schritte durch, welche Nebenwirkungen die Chemo haben würde und welche Erfolgsaussichten seiner Meinung nach die Behandlung haben würde. Er schien sehr zuversichtlich zu sein, dass nach der Therapie mein Körper frei von Tumorzellen sein würde. Allerdings störte ihn eine Tatsache: als Onkologe möchte man wissen, wo im Körper der Krebs entstanden ist. Das war bei mir leider nicht nachweisbar, so dass man in meinem Fall von einem CUP-Syndrom spricht. Cancer with undefined Primary (ich glaube, ich hatte es bereits vorher schon mal erläutert).

Er ordnete in der Pathologie eine weitere Untersuchung an, die das Gewebe auf den sogenannten HPV Virus untersuchen. Der HPV Virus ist in erster Linie für Warzen auf der Haut oder im Genitalbereich bekannt. In einigen Fällen führt er bei Frauen auch zu Gebärmutterhalskrebs oder bei Männern nachweislich im Hals- und Rachenbereich zu oberflächlichem Befall auf den Lymphknoten. Sollte das der Fall bei mir sein, könne man ggf. davon ausgehen, dass das Karzinom sich im Hals gebildet hat und nicht bereits Kilometerweit durch den Körper gekrabbelt ist. Also Daumen drücken.

Für den Nachmittag des gleichen Tages stand noch ein erstes Gespräch mit Frau Dr. H., Chefärztin der Strahlenabteilung an. Auch sie wies mich auf eine lange Liste von Kurzzeit- und Langzeitnebenwirkungen hin. Diese hier alle aufzuzählen, würde zu weit führen. Die Nebenwirkungen, die mich betrafen bzw. nach wie vor betreffen, werden im Laufe der kommenden Blogs ohnehin angesprochen.

Den Rest der Woche war ich wieder ganz normal im Büro.

Am Wochenende drauf, genauer gesagt am 28.05.2017 feierten wir ein großes Familienfest. Meine Mutter wurde 70 und lud ca. 80 Gäste in ein leckeres Restaurant im Bergischen ein. Ursprünglich hatte ich vor, eine lustige Rede mit vielen Anekdoten vorzutragen – wie ich es bereits beim 70. meines Vaters getan hatte. Die OP und die Diagnose machten mir einen Strich durch die Rechnung. Dennoch wollte ich ein paar Worte an meine Mutter richten und so entschied ich mich, ein bisschen was über Werte, Freunde, Familie zu sagen.

Da stand ich nun mit zitternden Beinen und Armen und musste mich stark zusammenreißen, nicht zu weinen. Ein Großteil der Gäste wusste von meiner Erkrankung und die meisten rechneten demnach nicht mit einem Feuerwerk an lustigen Sprüchen, sondern eben mit ernsteren Worten. Es war mucksmäuschenstill und alle Augen waren auf mich gerichtet. In meinem Job bin ich es gewohnt, vor großen Runden zu sprechen, manchmal sogar unter Beteiligung von Vorständen und Geschäftsführern. Aber diese Situation war einfach nur krass. Am Ende weinte nicht nur ich.

Viele der Gäste standen auf und klatschten als wäre es eine Dankesrede bei den Oscars gewesen. Darunter auch ein guter Freund meiner Eltern Winfried Z. Er selber war jahrelang ein sehr guter Orthopäde. Seine Augen sagten mir: Christian, alles wird gut.

Aber was dann passierte, überraschte mich doch. Im Laufe des Abends kamen verschiedene Freunde und Gäste – sowohl weibliche als auch männliche – auf mich zu und sagten mir: „Christian, das habe ich auch durchmachen müssen“ – Brustkrebs, Hodenkrebs, Hautkrebs, Leukämie, etc. Bei einer Gästezahl von 80 Personen und ca. 8-10 Personen mit Krebserkrankung macht das über 10%. Und wahrscheinlich war der eine oder andere unter den Gästen, der nicht darüber gesprochen hat. Ist Krebs damit eine Volkskrankheit? Ich würde sagen ja, denn jedes Jahr kommen neue Arten hinzu, jedes Jahr nehmen toxische Belastungen und ungesunde äußere Umwelteinflüsse auf den Körper zu. Es mag zwar alles irgendwann heilbar sein, aber krank werden wir dennoch immer häufiger.

In der darauffolgenden Woche würde es wieder ab unters Messer gehen. Ich sollte einen Port-Zugang gelegt bekommen, über den die Chemo direkt in die Blutbahn und ohne Anstich der Venen gepumpt wird.

Na dann mal Prost!

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1 Kommentar

  1. Lieber Krebsbesieger, der Name sagt ja bereits, wie mit dieser Diagnose „Krebs“ umzugehen ist: „Besiegen und an Dich und die Zukunft glauben!“
    Mittlerweile bist Du ja so weit gekommen, dass Du spürst, dass Deine Krankheit weg ist. Die Menschen, die Dich mit durch diese Zeit begleitet haben, werden die Sorgen die sie um Dich hatten, nie vergessen können. Aber auch die Hürden, die Dir von dem ein oder anderen ignoranten, maliziösem Unmenschen im boshafter Absicht in den Weg gelegt wurden haben uns in menschlicher Hinsicht schwer erschüttert. Umso glücklicher bin ich, dass Deine seelische Gesundheit keinen Schaden genommen hat, Du statt dessen alle Kräfte mobilisiert hast und als der Mensch daraus hervorgegangen bist, als den ich Dich kennenlernen durfte. Hat man einmal eine derart schwere Prüfung bestanden, sieht man die Welt freilich mit anderen Augen, – mit Röntgenblick. Andere Betroffene werden das auch wissen! Deshalb hier einen Gedanken an alle Menschen, die irgendwie erkranken oder erkrankt und wieder genesen sind: „ Lebt ausschließlich in Harmonie mit Euch und allem was Euch umgibt, denn nichts heilt Euch und Eure Seele besser als gelebte Liebe zu dieser wunderbaren Welt und allem was da kreucht und fleucht.“
    Böse Gedanken sind der Killer allen Glücks, also verscheucht sie und umgebt Euch nicht mit Menschen, die schlechten Willens sind, sie verschwenden Eure Zeit.
    Sieg weiter!

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