Freitag, 05.05.2017 – 20:38 Uhr: „Wir haben ihn wieder“, schrieb meine Freundin in die Whatsapp-Gruppe, die sie für unsere Familien ins Leben gerufen hatte. Ich selber war noch lange nicht auf der Höhe und brauchte wohl noch ein bisschen, um wieder zu Bewusstsein zu kommen. Aber wie bereits nach der ersten Operation muss ich in der Lage gewesen sein, ohne fremdes Zutun von meiner OP-Liege ins Krankenhausbett zu klettern. Meine Freundin erzählte mir später, dass sie während der OP leider nicht in den OP-Bereich durfte. Sie wartete die ganze Zeit auf dem Flur davor, ging zwischenzeitlich etwas essen und wartete weiter. Die Szene erinnert mich an die vielen Filme, in denen Familienangehörige und Freunde darauf warten, dass die Schwingtür zum OP aufgeht, ein Arzt herauskommt und etwas zum Verlauf der OP sagen kann.

Da ich der letzte Patient für diesen Tag im OP war, durfte meine Freundin bereits um viertel nach acht zu mir in den Aufwachraum. Sie bekam also minutiös mit, wie ich wieder zu mir kam. Ich muss wohl auch schon mit ihr gesprochen haben: „Hallo mein Liebling, mein Mund ist trocken.“ Daraufhin holte sie mir ein paar Becher Wasser aus einem Wasserspender. Ich konnte mich an nichts erinnern.

„Köln – Bremen – 1 – zu – 0 – Modeste“, als der OP-Pfleger das von sich gab, war ich für kurze Zeit hellwach. Geil, das war doch mal ein guter Start in ein „neues Leben“ nach so einer doofen OP. Nee, im Ernst. Ich freute mich wirklich. In der Zwischenzeit hatte einer der Ärzte versucht, meine Freundin auf Station zu erreichen, um sie über das Ergebnis der OP zu informieren. Die Ärzte wussten ja nicht, dass sie geduldig in meiner Nähe wartete. Bei der Schwester hinterließ einer der Ärzte die gute Nachricht, dass die Operation ohne Komplikationen verlaufen sei.

Irgendwann kurz nach 21 Uhr wurde ich wieder hoch auf Station bzw. mein Zimmer gebracht. Ich bekam alles nur so halb mit, denn die Narkose wirkte noch nach. An der linken Seite meines Halses konnte ich nun auch den sehr viel dickeren und großflächigen Verband ertasten. Kein Wunder, denn die Naht war nun ca. 5 mal so lang wie beim ersten Mal. Auch der Wundschlauch, der erneut das Wundwasser aus der Wunde in das Fläschchen transportieren sollte, war um einiges dicker. Übers Handy informierte ich zunächst ein paar enge Freunde über meinen Zustand. Meinem Chef Matthias schrieb ich per Whatsapp, er möge mir bitte ein Trikot von Anthony Modeste, meinem „Glücksbringer“ besorgen. Er schrieb zurück, er würde sich darum kümmern. Ich war gespannt.

Noch am gleichen Abend besuchten mich Adam (Amatas Bruder) mit seiner Verlobten Mary. Die beiden brachten mir neuen Lesestoff und ein paar Süßigkeiten mit. Ich freute mich sehr über ihren Besuch, weil sie mich ablenkten. Denn meine Gedanken schweiften immer wieder zu den offenen Fragen ab, wie es nun weitergehen würde. Prof. N. deutete bereits am Nachmittag vor der OP an, dass ich mich mit Beginn der nächsten Woche diversen Untersuchungen unterziehen müsse, um eine Streuung der Metastasen auszuschließen. Die Tatsache, dass wir Freitagabend hatten und bis zu den Untersuchungen zwei weitere Tage vergehen würden, machte die ungewisse Wartezeit nicht gerade angenehm. Andererseits konnte ich so ein bisschen entspannen und das Alles mal sacken lassen. An eine Entlassung vor Mitte der kommenden Woche war jedenfalls nicht zu denken.

Vor meinem geistigen Auge machte ich einen Rückblick der vergangenen zwei Tage – was war alles geschehen?: Donnerstagmittag, 1. OP – gut verlaufen; Freitagmittag, Horrordiagnose; Freitagabend, 2. OP – gut verlaufen. Mir kam es vielmehr wie eine ganze Woche vor.

Um ca. 23.00 Uhr verabschiedeten sich Adam, Mary und Amata von mir. Irgendwie freute ich mich jetzt auf ein bisschen Ruhe und Schlaf. Und ich wusste ja, dass meine Freundin mich am nächsten Tag wieder besuchen würde. Und nicht nur sie. Ich beantwortete noch ein paar Whatsapp-Nachrichten und gab mich dann dem Spielbericht Köln gegen Bremen hin. Köln 4 : Bremen 3. Was für ein Abend?!

 

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