Am Mittag des 09. Mai schrieb ich also allen Freunden, Familienangehörigen und Kollegen, dass die ersten Untersuchungen mit vorerst erfreulichen Ergebnissen endeten. Unter den „Gratulanten“ war auch mein lieber Kollege Falco B., der sich für den Nachmittag für einen Besuch ankündigte. Er wollte wissen, ob er mir irgendetwas mitbringen könne, etwas zu essen oder Lesestoff. Eigentlich brauchte ich beides nicht, da der Patientenkiosk im Krankenhausfoyer sehr gut sortiert war. Sowohl bei Süßigkeiten und kleinen Snacks, als auch bei Zeitungen und Zeitschriften. Ich fragte Falco, ob er mir ein Computer Magazin über Android mitbringen könne. Er wollte schauen, was sich machen lässt.

Zunächst ging ich alleine noch ein bisschen spazieren. Das Wetter war wieder schön und die Sonne schien für einen Maitag warm vom Himmel. Ich hatte immer noch nicht richtig realisiert, was in den vergangenen Tagen alles passiert war. Allerdings musste ich mich nun damit auseinandersetzen, was in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren womöglich auf mich zukommen könnte. Wieder schossen mir tausende Fragen durch den Kopf. Würde ich in absehbarer Zeit wieder an Krebs erkranken? Welche Auswirkungen würde ein Strahlentherapie auf meinen Körper haben? Würde möglicherweise meine Leistungsfähigkeit im Job darunter leiden? Und, und, und…

Auf alle diese Fragen wusste ich keine Antworten. Umso mehr spürte ich, dass es wohl besser und erträglicher sei, die Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen und dann intuitiv zu entscheiden. Ich wusste ja, dass ich Dank meiner Familie und guten Freunden Menschen um mich herum habe, die mich mit Rat und Tat jeden Tag aufs Neue unterstützen würden.

Am Nachmittag dann klopfte es an meine Tür. Ich wusste ja, dass ich noch Besuch bekommen würde. Als sich die Tür öffnete, sah ich nicht nur meinen Kollegen Falco, sondern ebenfalls einen weiteren Kollegen Fabian. Die beiden sind ebenfalls bekannt unter ihren Mercuri-Spitznamen „Urs Falco“ und „Famous Fabian“. Bitte fragt mich nicht warum? Ich freute mich riesig, aber die Freude schien beiderseits. Sie überreichten mir im Namen aller Kollegen ein Genesungs-Paket und eine Gute-Besserung-Karte mit allen Unterschriften. Drei mal dürft Ihr raten, was passiert ist? Richtig, ich musste heulen.

Das Genesungspaket beinhaltete alles, was man zum Gesundwerden im Krankenhaus braucht: Süßigkeiten-Eimer, ein Buch, eine Computer-Zeitschrift, ein Herren-Magazin und last but not least ein Trikot von Anthony Modeste vom 1. FC Köln. War das mal ein geiles Geschenk. Ich hatte das Trikot bei meinem Chef ja in Bestellung gegeben, nachdem ich ja erfolgreich operiert wurde und Modeste zeitgleich den Sieg gegen Bremen klarmachte. Aber dass ich das Trikot so schnell und dann auch noch als Präsent überreicht bekommen würde, damit hatte ich nun nicht gerechnet.

Falco und Fabian waren auf der Durchreise zu einem Kundenprojekt, hatten aber ein bisschen Zeit, so dass wir noch auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen in die Cafeteria des Krankenhauses gehen konnten. Ich erzählte beiden sehr ausführlich, wie das alles begann, welche Untersuchungen ich bereits hinter mich gebracht hatte und was noch auf mich zukommen könnte. Ich war verblüfft, denn Fabian hatte sich im Netz bereits über alle möglichen Dinge rund um meine Diagnose schlau gemacht und welche Therapieformen für mich in Frage kämen. Fabian ist zwar ein recht junger Kollege, aber für sein Alter bereits sehr selbstbewusst mit einem ausgeprägten Allgemeinwissen. Genau die richtige Ergänzung für unser Beraterteam. Sie merkten beide, dass ich nervös war und mit Blick auf den nächsten Tag ein ungutes Gefühl hatte. Denn würde ich wirklich eine Strahlentherapie bekommen, hätte das weitreichende Folgen auf die kommenden Monate. Für mich war es eine Erleichterung, auch mal mit anderen Menschen über meine Situation zu sprechen. Denn ich wollte nicht jeden Tag aufs Neue meine Freundin und meine Eltern damit belasten. Ich hatte einfach Angst, und auch sie hätten mir nicht wirklich weiterhelfen können.

Meine Naht vier Tage nach der OP

Falco und Fabian hingegen redeten mir Mut zu und bekräftigten ebenfalls noch mal die Aussage, dass das gesamte Team und alle Kollegen hinter mir stehen würden. So ist das, wenn man in einer kleinen Beratung arbeitet, in der jeder für den anderen einsteht und man fast ein familiäres, freundschaftliches Verhältnis zueinander hat. Nach gut einer Stunde machten die beiden sich auf den Weg und fuhren zu ihrem Kunden bzw. ins Hotel, um an nächsten Tag das Projekt zu starten. Ich hingegen ging wieder auf mein Zimmer und widmete mich den Lektüren. Ich versuchte etwas zu entspannen, dachte aber die ganze Zeit an die anstehende „Tumor-Konferenz“.

Bevor ich mich abends so langsam für die Nachtruhe fertigmachte, schrieb ich noch allen Kollegen eine Dankes-Email.

In dieser Nacht schlief ich schlecht.

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