Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

Exkurs: Die Vorurteile über Strahlentherapie – Gefahr für Dritte

Im Zuge der Vorbereitung auf die anstehende Radio-Chemotherapie wurde ich von den entsprechenden Ärzten mit Infomaterial eingedeckt und im Rahmen von Aufklärungsgesprächen über Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen unterrichtet. In den kommenden Blogs werde ich explizit auf die Nebenwirkungen eingehen, die mich persönliche betreffen sollten. Auch im Internet gibt es einige gute Seiten, auf denen man sich Informationen abrufen und offene Fragen beantworten kann. So z.B. die Seite der Deutschen Krebshilfe, auf welcher man sich die „Blauen Ratgeber“ zu einzelnen Themen herunterladen kann.

Eine der dringendsten Fragen, die ich für mich beantwortet haben musste, war die nach den Nebenwirkungen meiner Strahlentherapie gegenüber dritten Personen – z.B. meine Kinder, Kollegen, Freunde und Familie. Ich war mir zwar ziemlich sicher, dass eine Strahlentherapie kein Risiko für weitere Personen haben würde, dennoch brauchte ich nochmals Bestätigung durch Experten.

Viele Menschen haben Angst vor einer Strahlenbehandlung, weil sie Strahlen für viel schädlicher halten, als sie eigentlich sind. Daraus entwickeln sich unbegründete Vorurteile, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Hier folgen die häufigsten Vorurteile gegen Strahlentherapie.

Vorurteil 1: „Radioaktive Verseuchung“

Manche Menschen bringen unwillkürlich Strahlung oder Strahlentherapie mit Radioaktivität in Verbindung und denken dann an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Oft befürchten Angehörige auch, der Betroffene würde radioaktiv verseucht und dann eine Strahlenbelastung für sein Umfeld darstellen.

Dies ist nicht der Fall. Die normale Strahlentherapie verwendet keine radioaktiven Strahlen. Deshalb strahlt der Betroffene auch nicht, und es gelangen keine radioaktiven Strahlen in seinen Körper.

Vorurteil 2: „Bestrahlung verursacht Krebs“

Viele Betroffene fragen, ob die Strahlentherapie selbst nicht auch Krebs verursachen kann. Auch hier wird wieder eine therapeutische Bestrahlung mit radioaktiver Strahlung gleichgesetzt.

Bei einer Strahlentherapie ist zudem das Strahlenfeld ganz genau begrenzt, und die Strahlendosis konzentriert sich fast ausschließlich nur darauf. Das Risiko, durch eine solche Behandlung – zehn bis 30 Jahre später! – erneut an Krebs zu erkranken, ist damit verschwindend gering – vor allem, wenn man es mit dem Risiko vergleicht, das die Erkrankung selbst für den Betroffenen darstellt.

Vorurteil 3: „Strahlenkater“

Da die Bestrahlung nur dort wirkt, wo sie eingesetzt wird, treten Allgemeinsymptome wie Übelkeit oder Abgeschlagenheit nur relativ selten auf – hauptsächlich dann, wenn große Felder im Bauchbereich bestrahlt werden.

Vorurteil 4: „Verbrennung“ 

Hautreaktionen wie bei einem Sonnenbrand sind aufgrund der heute verwendeten Bestrahlungstechniken eher eine Ausnahme. Sie können jedoch dann auftreten, wenn der Tumor so sitzt, dass die Haut mit einer höheren Dosis behandelt werden muss. Eine vorangegangene Chemotherapie kann die Hautreaktion verstärken.

Vorurteil 5: „Eingesperrt im Bunker“

Strahlentherapie findet in speziell abgeschirmten Räumen statt; aufgrund bestimmter baulicher Vorschriften befinden sich diese häufig in den unteren Etagen der Klinik. Das Gefühl von Platzangst entsteht während einer Bestrahlung nicht, da der Linearbeschleuniger mit einer gewissen Entfernung (nahezu ein Meter) um den Patienten herumgeführt wird. Aus Strahlenschutzgründen ist man während der einzelnen Sitzungen in dem Bestrahlungsraum ­allein. Dennoch braucht man sich nicht allein gelassen zu fühlen: Über eine Kamera und eine Gegensprechanlage kann man jederzeit Kontakt mit den Ärzten oder den Assistenten aufnehmen.

 

Aber warum schreibe ich das nun zwischendurch in einem Exkurs? Ganz einfach: bereits zu Beginn meiner Radio-Chemotherapie wurde ich mit einem ganz besonders dummen Menschen konfrontiert, der mich anfauchte und mir lauthals im Beisein weiterer Personen befahl, mich „wegen der Strahlen“ von meinen Kindern fernzuhalten… und das vor den Augen meines Sohnes.

Hierzu fallen mir zwei Zitate ein:

„Dumm ist nicht, wer eine Dummheit begeht; sondern wer sie nachher nicht zu bedecken versteht.“ (Baltasar Gracian y Morales, 1601 – 1658, spanischer Jesuit, Moralphilosoph und Schriftsteller

„Was der Esel sagt, das glaubt er.“ (Arabisches Sprichwort)

 

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9 Kommentare

  1. Deine Infos über die Strahlentherapie haben mich gerade sehr bereichert. In meiner Familie stand kürzlich das gleiche Thema an. Auch wir stellten uns die Frage, was die Strahlentherapie für eine Auswirkung auf die Familienangehörigen haben könnte. Da ist man dann schon gezwungen, sich schlau zu machen, sprich sich zu informieren. Das Internet bietet dem, der damit umgehen kann ja einiges an Information. Zum Glück. Was ich hier aber nicht nachvollziehen kann, ist der Spruch dieser Person. Die oder derjenige konnte doch bestimmt davon ausgehen, dass Du deine eigenen Kinder nicht schädigen würdest. Das ist ja geradezu übergriffig, was geht ihn/sie das überhaupt an?
    Ist sie/er nur dumm oder ist sogar bösartig? Er/sie hat ja nicht nur Dich verletzt, sondern auch Deinen Sohn. Leider ist es ja oft so, dass einige Menschen sehr abgestumpft und unsensibel sind und das wird einem erst dann bewusst, wenn man um sein Leben kämpfen muss. Du scheinst ja alles gut überstanden zu haben, denk über solche Menschen nicht nach, sie verdienen das nicht.

  2. Wie Gernot schon sagt: „ Denk über solche Menschen nicht nach.“
    Solche Unmenschen verzehren sich innerlich schon von selbst, die haben etwas weitaus Schlimmeres als Krebs.
    Halt die Ohren steif, Krebsbezwinger. Du bist der Sieger.

  3. Gefahr für Dritte? Dass ich nicht lache.
    Die Person ist ne Gefahr für Dritte und nicht die Bestrahlung! War die Person ein Mann oder eine Frau?

  4. CP

    19. Juli 2018 at 9:57 pm

    Liebe Blog-Besucher, zu meinem letzten Beitrag und Euren Kommentaren möchte ich folgendes ergänzen. Nicht die Unwissenheit über die Nebenwirkungen der Strahlen haben mich bei der Person schockiert, denn auch ich musste mich erstmal schlau machen. Sondern vielmehr das rücksichtslose Verhalten gegenüber meinem Sohn durch diese fiese Bemerkung. Was muss der Kleine in diesem Moment gedacht haben?

    Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.

    • Guten Morgen CP
      Es ist schon dreist, was sich manche Menschen herausnehmen. Die denken dann selbstgerecht wie sie sind auch noch im Recht zu sein. Deinen kleinen Sohn zu belasten, der sich bestimmt schon genug um seinen Papa sorgt, ist mit Dummheit alleine auch nicht zu entschuldigen.
      Schon bezeichnend, dass solche Menschen bei Gemeinheiten auch noch Publikum benötigen. Naja, die werden ja auch wissen, was sie davon zu halten haben.

      • Nachbar

        20. Juli 2018 at 3:31 pm

        Ich war bei dieser Situation dabei. Dieser Vorfall ging wenig später durch die Gemeinde und aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass diese Person mittlerweile von vielen Mitmenschen aus dem näheren Umfeld verachtet wird.

  5. Hallo Nachbar!
    Viele Menschen zeigen ihr wahres Gesicht erst dann, wenn man nicht nützlich für sie ist. Gerade das unterscheidet aber den guten Menschen vom schlechten. Selbstgerechte, boshafte Menschen sind schlimmer als die eigentliche Krankheit. Es lohnt sich kein einziger Gedanke an sie,- auch kein schlechter.
    Am besten ist es, man meidet sie!

    • Nachbar

      30. Juli 2018 at 9:15 pm

      hallo Pseudo, die Person, von der wir hier schreiben, lebt sehr isoliert und hat – soweit ich weiß – keine nennenswerten sozialen Kontakte. Der Schuss ging jedenfalls nach hinten los, denn umso mehr wurde dadurch für alle anderen im Dunstkreis sichtbar, was für ein wunderbarer Papa der Krebs-Besieger zu seinen Kindern ist. FCK CNCR!!!

      • H.S.

        4. September 2018 at 8:46 am

        Wenn man schon keine Freunde hat, sollte man schnellstens damit aufhören, sich überall Feinde zu machen und sich Feindbilder aufzubauen. Es gibt nichts Schlimmeres, als ohne Freunde und Familie einsam und verbittert zu sterben.

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