Dieser Morgen des 10.05.2017 begann eigentlich wie alle anderen. Ich wurde zwischen 6 und 7 Uhr wach. Die Krankenschwester kontrollierte die Temperatur und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Auch wenn ich schlecht eingeschlafen war, so schlief ich in der zweiten Nachthälfte umso besser.

Bis zum Mittag tat sich eigentlich nichts. Ich las Zeitung, schaute ein wenig Fernsehen und surfte im Internet. Noch vor meinem Krankenhausaufenthalt, noch vor dem ganzen Schlammassel, freute ich mich auf ein paar ruhige Tage, an denen ich einfach mal ausschlafen und mich vom Job ausruhen konnte. Endlich würde ich mal Zeit haben, in Ruhe ein Buch zu lesen und Kraft zu tanken. So mein Wunschdenken noch vor der ersten OP.  Jetzt aber wollte ich so langsam aber sicher raus aus meinem Krankenhauszimmer und meinem Hightech-Krankenhaus-Bett. Auch wenn ich alleine lag und das Zimmer fast den Charakter eines Hotelzimmers hatte.

Am frühen Nachmittag kam dann Prof. N. und überbrachte mir das Ergebnis der Tumor-Konferenz, die am Vormittag stattgefunden hatte.

Ja, man hatte einstimmig entschieden, dass eine Radio-Chemo-Therapie der sicherste Weg sei, das Risiko eines Rückfalls zu minimieren. Dabei wurden auch sämtliche Nebenwirkungen berücksichtigt, die im Zuge der Strahlentherapie auftreten würden. Zu groß war anscheinend das tumorbefallene Gewebe, zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass eine Metastase sich durch das Lymphsystem ihren Weg suchen würde.

Prof. N. erklärte mir nun in groben Zügen, welche weiteren Maßnahmen auf mich zukommen würden und wie die Therapie ablaufen würde. Er sprach von einer Therapiedauer von ungefähr sechs bis acht Wochen. Das hörte sich zunächst überschaubar an, sollte sich allerdings zu einer unvorstellbaren Tortur entwickeln. Dazu später aber dann mehr.

Am Nachmittag kam dann meine Partnerin wieder zu mir ins Krankenhaus. Einerseits war ich froh, dass sie da war. Denn ich hatte Redebedarf und ich hatte mit einem Mal wieder Angst. Andererseits wollte ich auch alleine sein und zunächst mit mir selber die neue Situation ausmachen. Denn nun wusste ich es „schwarz auf weiß“: ich würde eine Chemo und eine Strahlentherapie bekommen. Zu dieser Maßnahme gab es nicht wirklich eine Alternative. Allein ein so genanntes PET-CT hätte man als weiterführende Diagnosemaßnahme durchführen können. Hierfür hätte man allerdings ca. 6 Wochen warten müssen, ehe die Entzündung im Hals abgeklungen wäre, um aussagekräftige Bilder zu bekommen. In diesen 6 Wochen und weiterer Zeit hätten sich mögliche Metastasen allerdings im Körper verteilen können. Hätte, hätte, Fahrradkette…


Exkurs: Was ist ein PET-CT?

Die PET/CT ist eine Kombination aus Positronen Emissions Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) in einem Gerät. Sie vereint zwei unterschiedliche bildgebende Verfahren und ermöglicht so die Erstellung eines präzisen Bildes, in dem Körperstruktur und –funktion in einem Bild vereint dargestellt werden. Die exakte Position, Größe, Aktivität und Ausbreitung einer Tumorerkrankung kann so im gesamten Körper bestimmt werden.


Wie gesagt, man wollte kein Risiko eingehen und schnellstmöglich mit der Therapie beginnen, ohne zu wissen, ob die Therapie überhaupt notwendig gewesen wäre. Denn auch das beste Diagnoseverfahren ist nicht in der Lage, die kleinste Mikrometastase im Körper zu erfassen. Und zu warten, bis wieder etwas sichtbar würde, wäre – linde gesagt – leichtsinnig und grob fahrlässig.

Meine Partnerin war mittlerweile wieder nach Hause gefahren, als noch am frühen Abend erneut Prof. N. zu mir ins Zimmer kam und gemeinsam mit mir die folgenden Termine für die nächsten Wochen plante. Nun ja, wir planten nicht, sondern er gab mir die Termine auf einem Zettel und ich nickte alles ab. Ich hatte ja eh keine Wahl und ich war froh, dass man mir die weiteren Schritte vorgab. Zumal die Termine aufeinander abgestimmt werden mussten und ich quasi dazwischen geschoben werden musste.

Hier mal ein grober Überblick über die Vorbereitung (auf die einzelnen Maßnahmen gehe ich in den kommenden Blogs teilweise detailliert ein):

  • Montag, 15.05.2017: Fäden ziehen
  • Dienstag, 23.05.2017: Aufklärungsgespräch Onkologie
  • Dienstag, 23.05.2017: Aufklärungsgespräch Strahlentherapie
  • Dienstag, 30.05.2017: Aufklärung Port-Operation
  • Mittwoch, 31.05.2017: Einsetzen des Ports (Operation)
  • Donnerstag, 01.06.2017 Vormittags: CT
  • Donnerstag, 01.06.2017 Nachmittags: Zahnarzt als Vorbereitung Strahlentherapie
  • Freitag, 02.06.2017: Magenspiegelung
  • Dienstag, 06.06.2017: Nachbesprechung Voruntersuchung
  • Mittwoch, 07.06.2017: Vorbesprechung CT und Aufklärung Strahlentherapie Teil 2
  • Mittwoch, 07.06.2017: CT und Erstellung Gesichtsmaske für Strahlentherapie
  • Freitag, 16.06.2017 – Vormittags: Labor Blutentnahme Onkologie
  • Freitag, 16.06.2017 – Nachmittags: Zahnarzt – Erstellen der Strahlenschutzschiene für Strahlentherapie
  • Montag, 19.06.2017: Beginn Chemo und Strahlentherapie

So weit, so gut. Mögen die „Spiele“ beginnen.

Am nächsten Tag, Donnerstag den 11.05.2017, würde ich entlassen werden. Was freute ich mich auf diesen Tag…

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