Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

„Die haben das aufgeschneidet und dann wieder zugemacht und jetzt wird alles wieder gut?“ (meine Tochter, 3 Jahre)

Da saß ich also nun mit meinem „Fahrplan“ für die nächsten Wochen. Die Taktung der Termine erinnerte mich an meinen Job, wenngleich der Grund der Termine leider nicht zu vergleichen war mit einem Kundenbesuch, einem Projekt oder internen Meetings. Und ich wusste ja, dass es bei den Terminen nicht bleiben würde, sondern weitere Untersuchungen, Kontrollen, Besprechungen mit Ärzten dazukommen würden.

Das sollte mir an diesem Tag, es war Donnerstag der 11.05.2017, total egal sein. Denn am Vormittag würde ich entlassen werden. Meine Freundin kam dann auch so gegen 09:00 Uhr ins Krankenhaus. Ich hatte mittlerweile meine Tasche gepackt und alle Entlassungspapiere bekommen. In einer letzten Kontroll-Untersuchung machte einer der HNO-Ärzte einen Blick auf Nähte und Narbe. Es sah soweit alles in Ordnung aus, so dass ich endlich gehen konnte.

Ich fühlte mich gut, ein wenig geschwächt zwar, aber irgendwie war ich voller Tatendrang. Dazu kam, dass die Sonne schien. Zunächst fuhren wir zum Aldi, um die notwendigen Einkäufe direkt von der Backe zu haben. Im Krankenhaus war ich ja einer von vielen, die komisch aussahen, sei es mit einem Verband an der Nase, aufm Ohr oder einer Narbe am Hals. In „freier Wildbahn“ fühlte ich mich schnell beobachtet. Ein kleines Kind, das bei seiner Mutter im Einkaufswagen saß, fragte was „denn der Mann da am Hals“ habe. Ich musste schmunzeln. Auch an der Kasse spürte ich Blicke auf meinem Hals. Aber daran gewöhnte ich mich im Laufe der folgenden Tage schnell.

Als wir zu Hause die Einkäufe verräumt hatten, entschied ich mich, meinen Kollegen in Meerbusch einen Besuch abzustatten. Ich fühlte mich immer noch fit genug, kleine Ausflüge zu machen. Außerdem musste ich RAUS… AN DIE FRISCHE LUFT… FREIHEIT…

Meine Kollegen machten große Augen als ich meinen Kopf durch die Türe steckte. Es hatte ja keiner damit gerechnet, dass ich vorbeikommen würde. Es gab viele Umarmungen und wieder einmal ein paar Tränen – aber weniger aus Mitgefühl, sondern mehr der Erleichterung und Freude. Und jeder wollte natürlich wissen, wie es zu all dem kam und wie es nun weitergehen würde.

Ehe ich mich versah, war ich über eine Stunde im Büro und so langsam merkte ich, dass mein Körper eine Ruhepause brauchte. Für den nächsten Tag klinkte ich mich noch aus dem Job aus. Ich war eh bis zum Rest der Woche krank geschrieben und für das anstehende Wochenende musste ich meine Kräfte mobilisieren, da ich das Wochenende mit meinen beiden Kindern verbringen würde. Allerdings sprach nichts dagegen, ab dem kommenden Montag ganz normal wieder weiterzuarbeiten.

Am Freitag Nachmittag holte ich zunächst meine Tochter zuhause ab, um mit ihr dann weiter Richtung Flughafen Köln-Bonn zu fahren, wo mein Sohn einen Kita-Ausflug machte. Meine Tochter schaute mich mit riesigen Augen an, als sie die große Narbe am Hals sah. Aber weniger erschreckt, als vielmehr fasziniert. Ihre Kinderworte klingen immer noch in meinem Ohr: „Die haben das aufgeschneidet und dann wieder zugemacht und jetzt ist alles wieder gut?“ Ja, es ist bzw. wird alles wieder gut, das war mein erster Gedanke. Kinder können so genial einfach sein…

Am Flughafen fanden wir auch direkt die Kindergartengruppe meines Sohnes und meine Tochter stürmte direkt auf ihn zu, um ihm meinen Hals zu zeigen. Er schien irgendwie stolz auf seinen Papa zu sein, denn er wollte, dass jeder meinen Hals zu sehen bekam. Das Wochenende war wunderschön – zwar anstrengend – aber im Kreise meiner Lieben das Beste was mir für meine Genesung widerfahren konnte. Wir unternahmen viel. Gemeinsam mit meiner Partnerin verbrachten wir das Wochenende bei meinen Eltern. Am Samstag besuchten wir ein Stadtfest mit Karussels und Fressbuden. Am Nachmittag fuhren wir dann gemeinsam nach Hagen zu einem Handballspiel der Eintracht. Mein Sohn und ich sind riesige Fans der Eintracht und so war es für ihn aber auch für meine Tochter ein tolles Sportereignis. In diesem Fall ging es um den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga, was im Relegationsspiel auch gelang. Die Freude war dem entsprechend groß.

Am Sonntag Abend dann brachte ich die Kinder zurück zu ihrer Mutter. Diese zwei gemeinsamen Tage gemeinsam mit meiner Familie waren wie Balsam auf meiner Seele. Das brauchte ich auch, denn nun würden so langsam aber sicher härtere Wochen anbrechen.

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4 Kommentare

  1. Hut ab!
    Du hast ja die richtige Art, mit so einer Diagnose umzugehen. Fühlt sich beim Lesen gut an, wenn Du von Deinen beiden Kindern schreibst. Die haben Dir bestimmt durch ihr natürliches Verhalten eine große Portion Kraft gegeben . Weiter viel Glück
    Bin schon gespannt, wie es weiter geht.

    • CP

      11. Juli 2018 at 8:25 am

      Ja, meine beiden Kinder haben mich damals toll – wenn auch nur indirekt – unterstützt. Jetzt sind es drei Futzies, für die es sich lohnt gesund zu bleiben und glücklich, liebevoll und aufrichtig zu sein.

  2. Hallo CP, es stimmt! Kinder sind das Salz in der Suppe.
    Mach weiter, mit dem Kindersegen und Deiner Gesundung.

  3. Hallo Krebsbesieger, ich könnte heulen vor Rührung über die lieben, lieben Kinderworte Deiner kleinen Tochter…. „ und jetzt ist alles wieder gut.“ Besser kann man es ja garnicht ausdrücken. Je mehr Liebe Du erlebst, um so besser wird es Dir in Zukunft gehen. Ich drück Dir die Daumen.

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