Puuuh, ich habe Wasser in den Augen, wenn ich bereits nach dem ersten Blog-Beitrag schon nach einem Tag so viele, ausschließlich positive Kommentare und Rückmeldungen und vor allen Dingen Aufmunterungen per Email, Whatsapp und auf der Internetseite bekomme. Vielen lieben Dank. Das bestätigt mich, dass dieser Blog ein guter Schritt ist.

Tja, wann genau hat all das angefangen? Krebs entsteht unbemerkt und wuchert teilweise wochenlang, monatelang vor sich hin, bevor erste Symptome dazu führen, dass man sich unwohl fühlt und zum Arzt geht. Bei mir war es Anfang November 2016, ein Mittwoch, als ich mit meinem Chef in Süddeutschland einen Kundentermin hatte. Seit einiger Zeit steckte so etwas wie eine Erkältung in meinen Knochen. Nun bin ich auch nicht die Sorte von Mitarbeitern, die beim ersten Nießen zum Arzt rennt. Aber zur anhaltenden Erkältung kam Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Diesen gesamten Gemütszustand schob ich auf eine familiäre Situation, mit der ich seit August 2016 zu kämpfen hatte/habe. Lange Rede, kurzer Sinn: mein Chef befahl mir, den Rest der Woche zu Hause zu bleiben. Am folgenden Tag – Donnerstag – ging ich zu meinem Hausarzt in Bergisch Gladbach. Großes Blutbild, ein paar Fragen zur allgemeinen Situation. Ergebnis: Bakterieller Infekt, ein wenig übermüdet. Aber nichts Schlimmes. Ich solle einfach mal bis Ende der darauffolgenden Woche zu Hause bleiben. Ich bat ihn, mir den gelben Schein nur für zwei Tage auszustellen. Was soll ich auch zu Hause? Auch das Blutbild bot, bis auf zwei leicht abweichende Werte, keinen Grund zur Sorge. Also ging in der darauffolgenden Woche alles wieder seinen gewohnten Gang. Und in der Tat fühlte ich mich deutlich fitter.

Montag, 19.12.2016. Meine Partnerin und ich standen abends an einer Ampel in Mönchengladbach und wollten ein paar Schritte spazieren gehen. „Sag mal, Deine linke Halsseite ist irgendwie dick. Hast Du dicke Lymphknoten?“ sagte sie. Ja, irgendwie hatte ich das ein paar Tage vorher auch schon gemerkt und getastet. Aber dicke Lymphknoten hat man ja schnell, sei es durch einen bakteriellen Infekt oder ähnliches. Vielleicht war die Erkältung aus November doch noch nicht auskuriert. In der Apotheke besorgte ich mir dann Lymphomyosot Tropfen, um die Schwellung des Lympfknoten zu mindern. Interessanterweise war es auch nur der linke Knoten, der betroffen war. Die Tropfen halfen nicht.

Zwischen Weihnachten und Neujahr verbrachten wir ein paar Tage in Berlin. Trotz des regnerischen Wetters waren es tolle drei Tage. Mein Cousin, ehemaliger Hoteldirektor des Radisson SAS am Berliner Dom, besorgte meiner Partnerin und mir eine Junior Suite. Geiles Hotelzimmer. Obwohl der Erholungsmodus langsam einsetzte, wurde mein Hals nicht besser und ich beschloss, nach unserer Rückkehr doch mal zum Arzt zu gehen.

Ich arbeite in Meerbusch direkt im Stadtkern mit Blick auf den zentralen Marktplatz. Ärzte gibt es hier zu genüge. Warum also durch die ganze Stadt fahren, wenn es sich eh nur wieder um einen blöden Infekt handelt. Ich wählte eine Ärztin in unmittelbarer Nähe zum Büro – fußläufig eine Minute. Aus meinem Büro kann ich sogar quer über den Marktplatz ins Sekretariat der Praxis schauen.

Anfang Januar rief ich in der Praxis von Frau C. an und 10 Minuten später saß ich im Behandlungszimmer. Ungewöhnlich für einen Montagvormittag. Frau C. schaute sich meinen Hals an und vermutete ziemlich schnell „Pfeiffersches Drüsenfieber“ (kurz: EBV oder Epstein-Barr-Virus). Allerdings wolle Sie vorsorglich Blut abnehmen, um mit ihrer Diagnose wirklich sicher zu sein.

Ich war natürlich erstmal fix und alle mit dieser ersten Diagnose. Das einzige Mal, dass ich mit Pfeifferschem Drüsenfieber in Berührung kam (also nicht ich persönlich), war ein Aufeinandertreffen in 1998 mit Olaf Bodden am Poolbecken-Rand eines grancanarischen Bettenbunkers. Einige von Euch werden Olaf Bodden noch als Profifußballer von „1860 München“ kennen, der seine Karriere aufgrund des „Pfeiffers“ aufgeben musste. Wir tranken zusammen ein San Miguel und er erzählte mir von seiner Krankheit. Ich glaube, Olaf spielte sogar mal in der Nationalmannschaft. Cooler Typ, auf jeden Fall.

Die vielen Einträge in irgendwelchen medizinischen Foren und Blogs taten ihr Übriges, dass ich mich vor meinem geistigen Auge schon monatelang in Quarantäne zu Hause sah. Ich hatte nicht nur nen dicken Hals aufgrund des Lymphknotens, sondern auch noch mental aufgrund der Diagnose.

Am darauffolgenden Vormittag war ich dann erneut in ihrer Praxis. Da noch keine Arzthelferin vor Ort war, machte Frau C. die Blutentnahme kurzerhand selber. Naja, sie versuchte es. Nachdem meine linke Armbeuge nach drei Versuchen aussah wie ein Junkie-Arm, versuchte sie es auf der rechten Seite. Hier hatte sie bereits beim zweiten Mal Glück. Es waren natürlich die dummen Nadeln und die dummen Röhrchen, die eine Blutentnahme so schwierig machten. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so unprofessionell Blut abgenommen bekommen.

Bei meinem dritten Arztbesuch bestätigte Frau C. mir, dass es sich um das EBV handeln muss, so zumindest würden es die Blutwerte zeigen. Wirklich geschockt war ich jetzt nicht mehr. Zum einen weil ich mir überwiegend die positiven Meinungen zum Virus aus dem Netz gezogen hatte, zum anderen weil ich ja eine Nacht darüber schlafen konnte. Ich wusste auch, dass es kein Medikament zur „Bekämpfung“ des Pfeifferschen Drüsenfiebers gibt, da es sich nicht um einen bakteriellen Infekt handelt. Sondern eben um einen Virus. Am besten schaut Ihr selber bei Wikipedia nach, was EBV im Einzelnen bedeutet.

Frau C. hatte also keine Medikamente, aber da sie insbesondere der Alternativmedizin zugetan war, verschrieb sie mir für teures Geld ein sogenanntes Rekonvaleszenz-Spray, welches die Lymphknoten wieder abschwellen lassen sollte. Auf das Spray komme ich später, in einem der nächsten Blogs noch zu sprechen. Dieses Wundermittel kam dann zwei Tage später mit der Post von einer Essener Apotheke zu mir nach Hause. Es schmeckte scheußlich und verursachte ein scharfes Brennen unter der Zunge. Aber welche Medizin schmeckt schon lecker. Höchstens Multi-Sanostol, gibt’s das eigentlich noch?

Das Spray war ab da mein treuer Wegbegleiter, da man mir nahelegte, unbedingt jeden Morgen und jeden Abend einen Sprühstoß zu nehmen. Und in der Tat vergaß ich in den ersten zwei Wochen so gut wie gar nicht, das Spray zu nutzen. Wurden die Lymphknoten kleiner? Was meint Ihr? … Nein, der linke Lymphknoten wurde eher größer (der rechte Lymphknoten war ja eh nicht geschwollen) und wurde zudem noch schmerzhaft. Ich also das Spray weitere vier Wochen genommen. Ich wusste ja von der Ärztin, dass es Wochen, sogar Monate dauern könne, bis die Knoten wieder abschwellen würden. Was sollte ich also tun?

Genau, eine zweite Meinung einholen. Das war der Rat meiner Freundin Amata. Und so machte ich einen Termin bei einem Allgemeinmediziner in Düsseldorf. Denn die Schmerzen und das Unwohlsein wurden immer unerträglicher. In der Praxis von Herrn Dr. U fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Nicht nur die professionelle Patientenbetreuung durch die Arzthelferinnen, sondern auch das Auftreten des Arztes selber. Ich zeigte ihm die Werte der ersten Blutuntersuchung durch Frau C. Das erste, was Herr Dr. U. sagte war: „Sie haben kein Pfeiffersches Drüsenfieber. Ausgeschlossen. Allein drei Werte sprechen dagegen“. Das war dann mein dicker Hals Nr. 3.

 

 

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