Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

Der Halb-Marathon vor dem Sturm oder die Ruhe vor dem Marathon

So, nun hatte ich also meinen OP-Termin für den 04. Mai 2017 vereinbart und noch knapp fünf Wochen Zeit, mich mental darauf vorzubereiten. Mir ging es gut, denn ich hatte ja nichts zu befürchten. Ein Routine-Eingriff, ein renommierter Experte auf seinem Gebiet und volle Unterstützung, sowohl privat als auch beruflich. Ich freute mich regelrecht auf den Eingriff, denn damit würde die Odyssee endlich ein Ende nehmen. Ich war auch schon nicht mehr sauer auf Frau C., die erste Ärztin mit den flinken „Blutabnahme-Fingern“ aus Meerbusch.

Das Datum der Operation war auch insofern günstig, als dass ich an dem Wochenende um den 06. Mai kein Kinderwochenende haben würde und ich die freien Tage zur weiteren Genesung nutzen könnte. In der Zwischenzeit ging ich meinem Job und meinem Privatleben ganz normal nach, so wie sonst auch. Meine beiden Kinder kamen wie gehabt an den Wochenenden zu mir und unter der Woche arbeitete ich viel bzw. konnte meine beruflichen Reisen ganz normal durchführen. So auch meinen dreitägigen Messebesuch auf der Hannovermesse Ende April. Körperlich fühlte ich mich auch wieder recht gut. Ich denke, dass die anfängliche Müdigkeit auf meine mentale Situation zurückzuführen war.

Am Tag vor der OP (03.05.) sollte ich mich vormittags im Krankenhaus zur Aufnahme beim Patientenmanagement einfinden. Bis auf eine weitere Blutabnahme ging es hauptsächlich um bürokratische Angelegenheiten. In der ersten Station, der eigentlichen Patientenaufnahme wurden alle meine relevanten Daten für den Krankenhausaufenthalt erfasst und meine Krankenkassenkarte eingelesen. Hier musste ich kurzfristig Rücksprache mit meiner Krankenversicherung halten, welche Leistungen mein Tarif vorsieht. Wichtig für mich ist die sogenannte Wahlarztbehandlung. Das bedeutet, dass ich zu jedem Zeitpunkt auf die Ober- und Chefärzte der jeweiligen Abteilungen zugreifen darf und die Versicherung diese Leistungen übernimmt. Meine PKV gab mir grünes Licht, wies mich aber darauf hin, dass mein Tarif eine Unterbringung im Zweibettzimmer vorsah. Das war ok. Ganz alleine auf dem Zimmer kann schnell langweilig werden.

Der zweite Punkt war die Vereinbarung mit dem Klinikum, dass die Rechnungsstellung über einen externen Abrechnungsdienst erfolgen darf und hierfür meine Daten übermittelt werden dürfen. Letztendlich ist mir egal, von wem ich die Rechnung bekomme. Einziger Nachteil bei den externen Diensten: bezahlt man nicht innerhalb des Zahlungsziels, wird knallhart eine Zahlungserinnerung an den Patienten versandt. Da kennen die nix! In diesem Zusammenhang musste ich auch mein Einverständnis abgeben, dass jede zusätzlich benötigte medizinische Abteilung ebenfalls über den Dienst abrechnen darf. Beispiel: Patient Christian läuft nach der OP noch halb benommen in Adiletten aufs Klo, knickt um und zieht sich einen Bänderriss zu. Dann darf die Röntgenabteilung und die Chirurgie nach erfolgreicher Behandlung dem Patienten Christian eine separate Rechnung stellen.

Ich unterschrieb. Außer der HNO-Abteilung und ggf. Laborleistungen für eine weitere Blutabnahme sah ich keine Anlässe für zusätzliche Behandlungen. Schließlich würde ich festes Schuhwerk für den Gang zur Toilette oder den Spaziergang ums Krankenhaus benutzen. Eines kann ich vorweg schon sagen. Bis auf wenige Ausnahmen sollte ich alle Ober- und Chefärzte kennen lernen.

Meine zweite Station im Rahmen der Patientenaufnahme war das Ausfüllen eines ellenlangen Fragebogens zu meiner körperlichen, gesundheitlichen Situation im Aufnahmebüro der Stationsschwestern. Dann sollte ich erneut Blut abgeben. Die Schwester war sehr einfühlsam, konnte gut ablenken und fand direkt ein Blutgefäß. Note 8 (1 schlecht; 10 sehr gut). Jetzt fehlten noch drei weitere „Stationen“ auf meinem Weg zum erfolgreich eingecheckten Patienten mit stationärem Aufenthalt.

Zunächst ging es weiter zu einer HNO-Oberärztin Frau Dr. B. Sie erklärte mir sehr detailliert, wie der Eingriff durchgeführt würde und welche Komplikationen auftreten könnten. Die meisten Dinge kannte ich bereits aus meinem Vorgespräch mit Prof. N. Allerdings benötigte auch sie wieder Unterschriften von mir, dass ich mich zu der Operation bereit erkläre und mir alle Risiken durch die Ärztin vermittelt worden und mir bekannt seien. Ich unterschrieb. Die Ärztin betonte, dass sie mir das Worst-Case-Szenario erklären müsse und das nur in den seltensten Fällen Komplikationen bzw. ernstere Folgeerscheinungen auftreten. Aber fragt mal einen Arzt nach statistischen Verteilungen, wann was wie in welcher Form auftritt. Sollte Herr Prof. N mich nicht operieren können, würde das Oberärztin Frau Dr. Z. übernehmen. Eine sehr liebe Ärztin, die ich später auch noch kennen lernen sollte.

Die letzte Station in meinem Anmeldungs-Marathon führte in die Katakomben des Krankenhauses, in die Anästhesie-Abteilung zur Oberärztin Frau Dr. O. Eine tolle Ärztin. Unheimlich liebenswert und obwohl ihrer kleinen Statur, eine fachliche Größe auf ihrem Gebiet. Das spürte ich. Sie nahm sich ebenfalls sehr viel Zeit für die Aufklärung. Da ich vor einigen Jahren bereits unter Vollnarkose operiert wurde, kannte ich das Prozedere. Dennoch bin ich den fast identischen Fragebogen zur gesundheitlichen Situation auch mit ihr wieder durchgegangen. U.a.:

  • Nehmen Sie Medikamente? – Nein
  • Wurden Sie schon mal operiert? – Ja
  • Wenn ja, wo? – am Bein
  • Nehmen Sie Drogen? Nein
  • Rauchen Sie? – Ja
  • Wenn JA, wieviel? – 17 Zigaretten/Tag (habe mittlerweile aufgehört)
  • Trinken Sie Alkohol? – Nur an Karneval
  • Sind Sie schwanger? – Weiß ich nicht

Auch hier wurde ich wieder über alle möglichen Risiken aufgeklärt. Was Frau Dr. O. allerdings schaffte, war in kürzester Zeit ein sehr starkes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Immerhin war sie verantwortlich dafür, wie schnell ich einschlafe, wie lange ich schlafe und ob ich überhaupt wieder aufwache. Sie versicherte mir, während der ganzen Operation in meiner Nähe zu bleiben und auf mich aufzupassen.

Während unseres Gesprächs frug ich Frau Dr. O., welche Beweggründe dazu führen, die Fachrichtung Anästhesiologie einzuschlagen. Darauf antwortete sie mit den Worten: „Heute würde ich niemandem mehr empfehlen, Anästhesist zu werden. Man ist immer der Handlanger der Operateure und wird dem entsprechend von oben herab so behandelt.“ Und ich dachte immer, Ärzteteams in Krankenhäusern in einer gemeinsamen Operation seien ein eingeschworenes, respektvolles Team. Aber warum sollte profilneurotisches, karrierefokussiertes Verhalten nicht auch im Krankenhaus Einzug halten. Frau Dr. O. versicherte mir aber, dass dies im Lukaskrankenhaus nicht der Fall sei. Hmmmh… Ich wünsche es ihr. Sie ist wirklich eine tolle Ärztin und wird später nochmals in Erscheinung treten.

Nach diesem Gespräch musste ich ein paar Schritte weiter zur Radiologie-Abteilung. Dort wurde meine CD-ROM eingelesen, die ich ursprünglich vom Radiologen bekommen hatte, wo mein Hals-CT gemacht wurde. Eine Sache von 5 Minuten. Danach war mein Zettel „abgearbeitet“ und der Halb-Marathon vor dem eigentlichen Marathon erfolgreich gelaufen. Am Abend vor der Operation rief ich im Krankenhaus an, um die genaue Uhrzeit zu erfahren, wann ich am nächsten Morgen nüchtern auf Station zu sein habe. Um 08:45 Uhr. Jetzt wurde ich doch ein wenig nervös.

 

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1 Kommentar

  1. Jetzt weiß ich, was du im Liegestuhl alles so treibst. Ich hab Deinen zwar schon einmal gelesen, aber jetzt weiß ich auch Deine Frage einzuschätzen. Halt die Ohren steif.

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