Montag, 08. Mai 2017. An diesem Tag sollte es also losgehen mit den bereits angekündigten Untersuchungen. Hierfür sollte ich nüchtern sein, da neben Röntgenbildern des Thorax auch ein Ultraschall des Bauchraums und ein Lungen-CT gemacht werden würde. Mit all den Untersuchungen wollten die behandelnden Ärzte auf Nummer sicher gehen, dass Metastasen nicht in andere Organe gestreut hatten. Krebszellen im Lymphsystem können sich leider schnell ihren Weg durch den Körper bahnen.

Dazu kam ja noch die Untersuchung der Gewebeprobe aus der zweiten Operation. Die Ergebnisse waren für Dienstag angekündigt, Zunächst aber ging es am Montag Vormittag mit einer dicken Patientenmappe vom vierten Stock der HNO-Abteilung in den Radiologie-Bereich im Erdgeschoss. Nach einer kurzen Wartezeit war ich relativ schnell an der Reihe. Zunächst wurden die Röntgenbilder gemacht. Die ganze Prozedur dauerte nur wenige Minuten. Die Röntgenschwester durfte mir zu den Bildern eigentlich nichts sagen, meinte aber, dass auf den Aufnahmen nichts Beunruhigendes zu sehen sei. Die eigentlichen Ergebnisse sollte ich allerdings schon einen Tag später mit den Ergebnissen des CTs bekommen. Der Dienstag würde somit der Tag der Wahrheit: Röntgen, CT, Gewebeprobe.

Nach dem Röntgen war der Ultraschall an der Reihe. Nur ein Zimmer weiter wartete auch bereits der Arzt auf mich. Die Untersuchung dauerte ebenfalls nur 10 Minuten. Mit dem Ultraschall wurde mein Bauchraum untersucht. Der Arzt war gut drauf und versuchte mich aufzumuntern: „Also schwanger sind Sie leider nicht. Und andere Unauffälligkeiten kann ich auch nicht entdecken. Zwar ist der Ultraschall nicht die zuverlässigste Methode, allerdings lassen sich viele Diagnosen bereits ausschließen.

Draußen im Wartebereich wartete bereits meine Mutter, die zwischenzeitlich nach Neuss ins Krankenhaus gekommen war. Sie wollte mir beistehen, falls sich irgendetwas Unerfreuliches ergeben sollte. Die ersten beiden Untersuchungen hatte ich also bereits hinter mich gebracht und war guter Dinge, dass keine weiteren Befunde dazukommen sollten. Noch vor der CT-Untersuchung entschied ich mich, meine Kollegen bei Mercuri zu informieren. Ich schrieb meinem Chef Matthias H. eine kurze Email mit einem Text mit Bitte um Weiterleitung an die Kollegen. Er antwortete prompt, dass er das sehr gerne für mich übernehmen würde. Und er kündigte sich ebenfalls für die Mittagszeit im Krankenhaus an. Dann machte ich mein Handy aus, denn es ging zum Lungen-CT.

Die Untersuchung dauert erfahrungsgemäß etwas länger. Zusätzlich wird ebenfalls ein Kontrastmittel verabreicht, um mögliche „Fremdkörper“ besser sichtbar zu machen. Die Beschreibung der Untersuchung erspare ich Euch jetzt. Es wäre nicht spannend und das Ergebnis sollte eh erst einen Tag später kommen. Im Anschluss an das CT ging es nun mit meiner dicken Patientenmappe wieder hoch in mein Zimmer. Das war auch bitter nötig, denn ich hatte ja noch nichts essen können. Es war bereits Mittag und ich konnte direkt mein Mittagessen zu mir nehmen. Hierzu muss man sagen – vielleicht habe ich auch in einem früheren Blog darüber geschrieben – dass man aus einer Vielzahl von Mittagessen auswählen und diese auch noch individuell zusammenstellen lassen kann. Eine Dame des Servicepersonals kommt mit einem iPad auf das Zimmer und liest zunächst eine Reihe von Gerichten vor, die quasi wie auf einer Speisekarte stehen. Diese Speisekarte ändert sich wöchentlich. Dazu kommen Standardgerichte, die man zu jedem Zeitpunkt haben kann. Bspw. Spaghetti Bolognese. Wenn man also möchte, kann man vier Tage am Stück ein und dasselbe Gericht bekommen. Und die Qualität bzw. Genießbarkeit des Essens hat sich deutlich verbessert.

Ich lag also wieder im Bett und begann zu essen. Meine Mutter hatte sich zwischenzeitlich von mir verabschiedet. Mir war das ganz Recht, denn ich war schon ziemlich platt und der nächste Besuch hatte sich ja bereits angekündigt. Ganz nebenbei machte ich mein Handy wieder an. Und was dann passierte, haute mich echt von den Socken. Mein Chef Matthias musste kurz nachdem ich das Handy am Vormittag mein Handy ausgeschaltet hatte, eine interne Info-Mail an alle Kollegen geschickt haben. Ich war auch im Verteiler und bekam die Email also ebenfalls. Aber nicht nur die. Ich wurde quasi „überschüttet“ mit Genesungs-Emails und WhatsApp Nachrichten. Ich war überwältigt und all die lieben Worte trieben mir wieder einmal die Tränen in die Augen.

Just in diesem Moment stand Matthes bei mir im Zimmer und setzte sich zu mir ans Bett. Nach Holgers Besuch am Vortag tat auch sein Besuch unheimlich gut. Meine Job liegt mir sehr am Herzen und so verwundert es auch nicht, dass bei allen Überlegungen, welche Auswirkungen meine Krankheit auf mein Leben haben sollte, auch meine Arbeit eine wichtige Rolle spielt. Ich arbeite sehr gerne in meinem Job und vor allen Dingen in dieser Firma mit diesem Umfeld. Als auch Matthes mir versicherte, dass ich mir um meine Stellung keine Sorgen machen müsse, viel mir erneut ein Stein vom Herzen. Es ist bescheuert, aber ich hatte in der Tat Schuldgefühle, da ich nicht wusste, wie lange ich meine Firma nicht unterstützen können würde.

Ich erzählte ihm von dem Untersuchungs-Marathon des Vormittags und dass das Ultraschall bereits eine erste zaghafte Entwarnung geben könne. Ich versprach ihm, ihn sofort in Kenntnis zu setzen, wenn ich weitere Ergebnisse bekommen würde. Nach ca. einer Stunde fuhr er wieder. Immerhin hatte er seine Mittagspause für den Besuch bei mir geopfert. Ich hingegen machte zunächst ein wenig die Augen zu. Immer noch trudelten einige Nachrichten von meinen lieben Kollegen ein. Auch sie wollten natürlich wissen, was jetzt bei Sache sei. Und einige wussten bereits, dass der Ultraschall ohne Befund war. Über mangelnde Unterstützung musste ich mir also keine Gedanken machen.

Am Nachmittag kam dann Amata wieder zu mir und wir verbrachten einen schönen Nachmittag/Abend, sofern man von schön im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts reden kann. An dieser Stelle sei gesagt, dass der Patientenkiosk sehr gut sortiert ist und man sogar bestimmte Magazine bestellen kann – ich orderte für die kommenden Tage Dienstag und Mittwoch den Kölner Stadtanzeiger und die Sportbild Fußball, die ja auch täglich erscheint. Im Patienten- und Besucher-Cafe direkt nebenan aßen wir beide am Nachmittag noch ein Stück Kuchen, bevor wir uns dann abends mit Hartz-4-TV ein bisschen geistigen Schwachsinn in den Kopf hämmerten. Es lebe „Bauer sucht Schuldnerberater“ oder „Gute Schwiegertochter, schlechte Schwiegertochter“. Herrlich.

Ich war gut drauf, die restlichen Ergebnisse würden auch nichts Schlimmes zutage bringen. Das war meine Hoffnung.

Please follow and like us: