Krebs Besieger

Einmal in die Hölle und wieder zurück

Monat: Juni 2017

„Köln, Bremen, 1:0, Modeste“

Freitag, 05.05.2017 – 20:38 Uhr: „Wir haben ihn wieder“, schrieb meine Freundin in die Whatsapp-Gruppe, die sie für unsere Familien ins Leben gerufen hatte. Ich selber war noch lange nicht auf der Höhe und brauchte wohl noch ein bisschen, um wieder zu Bewusstsein zu kommen. Aber wie bereits nach der ersten Operation muss ich in der Lage gewesen sein, ohne fremdes Zutun von meiner OP-Liege ins Krankenhausbett zu klettern. Meine Freundin erzählte mir später, dass sie während der OP leider nicht in den OP-Bereich durfte. Sie wartete die ganze Zeit auf dem Flur davor, ging zwischenzeitlich etwas essen und wartete weiter. Die Szene erinnert mich an die vielen Filme, in denen Familienangehörige und Freunde darauf warten, dass die Schwingtür zum OP aufgeht, ein Arzt herauskommt und etwas zum Verlauf der OP sagen kann.

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Es ist Sonntag, 18.06.2017 – 08:21 Uhr. Am 07. Juni habe ich begonnen, diesen Blog zu schreiben. Seitdem sind einige Beiträge zusammen gekommen. Was mich allerdings von den Socken haut, ist die riesige Resonanz. Nicht nur, dass ganz ganz viele Besucher ganz viele Seiten angeklickt haben und im Schnitt fast fünf Minuten Zeit auf der Seite verbracht haben (dank Google Analytics lässt sich ja nahezu jede Kennzahl erheben). Ich habe darüber hinaus viele wunderschöne Kommentare und sehr viel positiven Zuspruch bekommen. Besonders die Bemerkungen, ich könne gut schreiben, haben mich sehr gefreut.

An dieser Stelle möchte ich „Danke“ sagen an alle, die mich bis dato unterstützt haben und weiterhin begleiten:

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Operation – die Zweite

Ich saß aufrecht in meinem Krankenbett, als Prof. N. mir diese Horrornachricht überbrachte. Ich wusste gar nicht, auf wen ich mehr achten sollte. Auf mich und wie ich auf diese Diagnose reagiere? Oder auf Prof. N., der nun sichtlich betroffen mit dem Rücken an der Wand lehnte und sich auch nicht erklären konnte, wie sich ein Krebs auf die Zyste legen könne. Einer meiner ersten Gedanken war: „wie lange habe ich noch?“. Ich glaube, das fragt sich jeder, der zum ersten Mal die Diagnose Krebs mitgeteilt bekommt. Die zweite Frage, die mir durch den Kopf schoss: „Warum gerade ich? Ich habe doch niemandem etwas getan.“ Auch das wird sich jeder fragen.

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Operation – die Erste

Donnerstag, 04.05.2017. Mein Handywecker klingelte um 06:00 Uhr. Leider vergeblich, denn ich war bereits seit halb fünf wach. Hunger hatte ich (noch) nicht. Und das sollte auch bitte so bleiben, denn ich musste mich ja nüchtern auf Station melden. Die letzte Zigarette hatte ich bereits am Vorabend geraucht. Mindestens sechs Stunden vor der OP sollte man nicht mehr geraucht haben. Genauso lange sollte man nichts mehr gegessen haben. Bis zwei Stunden vor der OP durfte ich noch ein Glas Wasser trinken. Das habe ich dann auch um halb sieben gemacht. Zum Glück stellte sich bei mir kein Hungergefühl ein. Dafür war ich einfach zu nervös.

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Der Halb-Marathon vor dem Sturm oder die Ruhe vor dem Marathon

So, nun hatte ich also meinen OP-Termin für den 04. Mai 2017 vereinbart und noch knapp fünf Wochen Zeit, mich mental darauf vorzubereiten. Mir ging es gut, denn ich hatte ja nichts zu befürchten. Ein Routine-Eingriff, ein renommierter Experte auf seinem Gebiet und volle Unterstützung, sowohl privat als auch beruflich. Ich freute mich regelrecht auf den Eingriff, denn damit würde die Odyssee endlich ein Ende nehmen. Ich war auch schon nicht mehr sauer auf Frau C., die erste Ärztin mit den flinken „Blutabnahme-Fingern“ aus Meerbusch.

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Was soll schon passieren? Alles Routine.

Vom Lukaskrankenhaus hatte ich vorher nie etwas gehört. Warum auch? Wenn man nicht ins Krankenhaus muss, egal ob als Patient oder Besucher, beschäftigt man sich nicht damit. Meine HNO-Ärztin Frau Dr. R hatte mir diese Klinik, insbesondere die dortige HNO-Abteilung empfohlen. Nicht nur aufgrund des hervorragenden Rufes, es ist auch noch ziemlich nahe an meinem Wohnort gelegen. Eigentlich ist es kein Krankenhaus, sondern eher eine „Kleinstadt“ (siehe Plan). Hier befinden sich neben der HNO-Klinik, weitere Spezialabteilungen wie Chirurgie, Urologie, Geriatrie, Kardiologie, Strahlentherapie/Radiologie, ein Tumorzentrum sowie eine pathologische Abteilung. Diese miteinander verknüpften Bereiche werden im weiteren Verlauf noch eine bedeutende Rolle spielen.

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Tischtennisball oder Taubenei – auf jeden Fall rund und groß

Da saß ich nun, fassungslos im Sprechzimmer von Herrn Dr. U. „Nein, ausgeschlossen, Sie haben kein akutes Pfeiffersches Drüsenfieber. Es ist richtig, dass Sie mal eins hatten. Aber das ist lange her. Ihre Leberwerte sprechen eindeutig gegen EBV.“ Sollte ich jetzt glücklich oder wütend sein? Glücklich, weil es nun doch etwas anderes zu sein schien und medikamentös schnell in den Griff zu bekommen wäre. Oder sauer, weil die erste Diagnose einfach falsch war und ich kostbare Zeit verloren hatte. Außerdem zeigte ich ihm das Rekonvaleszenz-Medikament, welches mir von Frau C. verschrieben worden war. Er schüttelte den Kopf: „Was soll das denn sein? Nie gehört! Hören Sie auf damit, das ist Geldmacherei. Und Sie haben ja eh kein EBV.“

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Dicker Hals – in mehrfacher Hinsicht…

Puuuh, ich habe Wasser in den Augen, wenn ich bereits nach dem ersten Blog-Beitrag schon nach einem Tag so viele, ausschließlich positive Kommentare und Rückmeldungen und vor allen Dingen Aufmunterungen per Email, Whatsapp und auf der Internetseite bekomme. Vielen lieben Dank. Das bestätigt mich, dass dieser Blog ein guter Schritt ist.

Tja, wann genau hat all das angefangen? Krebs entsteht unbemerkt und wuchert teilweise wochenlang, monatelang vor sich hin, bevor erste Symptome dazu führen, dass man sich unwohl fühlt und zum Arzt geht. Bei mir war es Anfang November 2016, ein Mittwoch, als ich mit meinem Chef in Süddeutschland einen Kundentermin hatte. Seit einiger Zeit steckte so etwas wie eine Erkältung in meinen Knochen. Nun bin ich auch nicht die Sorte von Mitarbeitern, die beim ersten Nießen zum Arzt rennt. Aber zur anhaltenden Erkältung kam Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

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Warum dieser Blog? – Ein Vorwort

Heute ist der 07.06.2017. Die Sonne versteckt sich so halb hinter einer löchrigen Wolkendecke. Für einen Tag im Juni ist es allerdings ziemlich windig. Am 05.05.2017 war das Wetter schlechter. Besonders um die Mittagszeit. An diesem Tag bekam ich die Diagnose Krebs. Und alles änderte sich.

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